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Anschläge der 60er Jahre

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Anschläge der 60er Jahre

Zu den Leserbriefen von Leopold Steurer und Walter Mair in der Wochenzeitung "FF" vom 5. Februar folgendes: Steurer bezweifelt, dass die Anschläge der 60er Jahre einen Beitrag am Zustandekommen des Paketes geleistet haben und untermauert dies mit Aussagen von Martin Fuchs und Prof. Steininger. Als Betroffener und Kämpfer der sechziger Jahre betone ich zum wiederholten Male, dass wir damals unsere Freiheit und unser Leben für die Rechte unserer Heimat, besonders aber für die Wiedervereinigung Tirols durch Selbstbestimmung, aufs Spiel gesetzt haben.

Dies haben wir nicht erreicht; Schuld sind das allzu frühe Auffliegen
eines Großteils der Untergrundorganisation BAS und das Versagen der
Politiker, welche allesamt die Hosen voll hatten, bei Silvius Magnago
angefangen. Dass aber letztendlich die Anschläge einen wesentlichen
Beitrag am Zustandekommen des Zweiten Autonomiestatutes von 1972
geleistet haben, hat SVP-Obmann Silvius Magnago auf der
SVP-Landesversammlung 1976 in Meran offen erklärt. Dasselbe hat
Ex-Landeshauptmann Weingartner 1995 bei einem Kameradschaftstreffen der
Freiheitskämpfer in Innsbruck gesagt und Landeshauptmann Luis
Durnwalder vor mehreren politischen Häftlingen 1999 auf Schloss Tirol.
Ich glaube, dass die damals aktiven Landespolitiker die Situation
besser beurteilen konnten, als der Theoretiker Prof. Steiniger, der
sich seine Meinung nur von Dokumenten und Protokollen gebildet hat. Bei
seinen Recherchen hat er sich nicht einmal die Mühe gemacht, mit einem
von uns Zeitzeugen zu reden. War es Nachlässigkeit oder Arroganz?
Übrigens Leopold Steurer ist auch Meraner Bürger wie ich, hat sich aber
in den letzten Jahrzehnten nie um eine Aussprache mit mir als Zeitzeuge
bemüht und trotzdem will er alles besser wissen.

Walter Mair wirft im Leserbrief Prof. Hartung vor, dass er sich als
Opfer der Bombenjahre darstellt und sich nicht zur Rolle des Täters
beim Anschlag auf der Porze Scharte bekennt. Der italienische Staat hat
bekanntlich u.a. Prof. Hartung als Täter angeklagt, ohne stichhaltige
Beweise zu erbringen und in Abwesenheit, ohne Verteidiger und ohne
Vorladung zu lebenslanger Haft verurteilt. In Österreich wurde Prof.
Hartung wegen desselben Deliktes angeklagt und beim Grazer Prozess dann
freigesprochen, weil er zur Zeit des Anschlages nicht am Tatort gewesen
sein konnte. Das Grazer Gericht hatte auch einen italienischen
Sprengstoffsachverständigen als Begutachter beigezogen. So etwas wäre
im umgekehrten Fall in Italien nie vorgekommen. Verschiedene Medien
hatten schon gleich, nachdem das Unglück bekannt wurde, bezweifelt, ob
es wohl überhaupt ein Anschlag war. Denn in den ersten Stunden hatte
das zuständige Militärkommando drei verschiedene Versionen bekannt
gegeben vom Anschlag bis zum Unglück. Aber in der damaligen Zeit hatte
Italien keine Skrupel bei einem unangenehmen Vorfall einfach jemand zu
beschuldigen und zu verurteilen, um den Freiheitskampf ins schlechte
Licht zu rücken. Bei der Steinalm war es dasselbe, eine Gasflasche
explodierte und riss Finanzer mit in den Tod. Um das Unglück, das
inzwischen geklärt ist, zu vertuschen, verurteilte man Jörg Klotz und
Richard Kofler zu vier und zwanzig Jahren Gefängnis. So einfach ist
das, wenn man die Macht besitzt. Walter Mair hätte gut daran, sich
zuerst besser zu erkundigen, bevor er einen Menschen verurteilt, von
dessen Schicksal er gar keine Ahnung hat, oder er sollte erst gar nicht
zur Feder greifen!

Heute vierzig Jahre nachdem diese Taten geschehen sind, können wir ohne
Hass sagen, dass jene Soldaten, welche damals in Südtirol ihr Leben
lassen mussten, zu bedauern sind, denn es waren junge Burschen, welche
eben ihren Dienst in Südtirol absolvieren mussten. Gemeingefährliche
Kreaturen waren andere, z.B. solche, welche 1964 den Auftrag gaben, in
Tesselberg 15 unschuldige Bürger an die Wand zu stellen und zu
erschießen. Oder jene Folterknechte, welche uns schwer misshandelt
haben und an deren Folgen Höfler und Gostner gestorben sind. Und wo
bleibt die oft zitierte italienische Humanität, wenn vierzig Jahre nach
den Anschlägen drei Südtiroler und zwei Österreicher immer noch nicht
nach Südtirol einreisen dürfen? Mafiosi und Mörder lässt man frei, aber
den Männern, die um die Rechte gekämpft haben, die uns der italienische
Staat jahrzehntelang verweigert hat, will Italien immer noch nicht
Gerechtigkeit widerfahren lassen!

Sepp Mitterhofer
Politischer Häftling und Obmann des Südtiroler Heimatbundes
Meran/Obermais

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