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Gedenkrede von Eva Klotz am Peter-Mayr-Denkmal in Bozen

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In einem Jahr wird das Peter-Mayr-Denkmal hier dank idealistischen Einsatzes vieler  in seiner ursprünglichen Form wieder entstehen. Es sind dazu aber noch unbedingt Spenden nötig. Deshalb zu Beginn meiner Ansprache die Bitte, das Werk zu unterstützen!

Das Motto des heurigen großen Gedenkjahres lautet: Vergangenheit trifft Zukunft!

Die Landesregierungen Südtirols, des Bundeslandes Tirol und des Trentino bewerben dieses Gedenkjahr mit der Aufforderung: „Denk mal“, im Sinne von: Denk einmal nach! Und sie sagen uns auch worüber wir nachdenken sollen, nämlich über folgende Sätze:

Auch diese Gegenwart wird die Vergangenheit der Zukunft sein.

Unser Land wird nicht zuletzt an seiner Geschichte gemessen.

Auch unsere Gegenwart wird einmal Geschichte sein.

Es liegt an uns, die Zukunft bewusst zu gestalten.

Denken wir also darüber nach!

In dieser Werbung wird die Teilung Tirols zelebriert, nicht etwa die „Europa- Region- Tirol“! Nein, als Träger scheinen auf: „Autonome Provinz Bozen Südtirol, Provincia Autonoma di Bolzano Alto Adige“, „Tirol“, gemeint das Bundesland Tirol und Provincia Autonoma di Trento. Bei Gedenkfeiern dieser Tage treten  drei Landeshauptleute auf, sie beschwören Tiroler Werte.

Können wir uns vorstellen, dass Andreas Hofer und seine Leute damit Freude hätten? Können wir uns vorstellen, dass Andreas Hofer und Peter Mayr mit Namen für unser Land werben, die erdacht und geprägt worden sind, um die wahre Geschichte und Identität zu verschleiern und zu fälschen? „Alto Adige“ steht für die Absicht, alles auszulöschen, was an Tirol erinnert! Auch beinahe 8000 andere Namen in unserem Land gehen immer mehr in den selbstverständlichen Gebrauch unserer Leute über. Können wir uns einen Andreas Hofer vorstellen, der von den Franzosen aufgezwungene Namen übernimmt und sogar schützt? Können wir uns vorstellen, dass Andreas Hofer oder seine Verwaltung jeden Briefkopf, jedes amtliche Schreiben mit Namenfälschungen versieht?

Das Bundesland Tirol wirbt seinerseits mit der Bezeichnung: „Tirol“ und dem Zusatz: „unser Land“. Können wir uns einen Andreas Hofer vorstellen, der es sich gefallen lässt, dass sich nur noch ein Teil als Tirol bezeichnet, und das Herzstück Tirols als Provinz in einem fremden Staat hochleben lässt? Zu Hofers Zeit war unser Land auch geteilt, aber dieser Zustand hat keine 90 Jahre angedauert!

Können wir uns einen Andreas Hofer oder Peter Mayr vorstellen, der in die Hauptstadt der Besatzungsmacht reist, um hohe Vertreter dieser Besatzungsmacht zu ehren und für die Fortsetzung der Fremdbestimmung auszuzeichnen? Können wir uns einen Andreas Hofer und einen Peter Mayr vorstellen, der wegschaut, wenn der Gebrauch der Muttersprache systematisch mit Füßen getreten wird? Und einen Hofer, der zuschaut, wie junge Landsleute sich aus völlig freien Stücken mit fremden Fahnen schmücken?

Wenn wir uns einen solchen Hofer nicht vorstellen können, dann müssen wir fragen, wo seine Erben geblieben sind!

Jede Zeit hat ihre Mittel, jede Zeit hat ihren Stil! Wir brauchen die heutige Entwicklung nicht mit Hofers Augen zu sehen, aber wir wollen sie an dessen Haltung messen, die wir  Wertehaltung nennen! In der Drei- Landesregierungs- Werbung heißt es: Unser Land wird an seiner Geschichte gemessen. Ja, richtig, und das gilt dann auch für die Geschichte in 200 Jahren. Was wird da stehen, wie wird man dann die politisch Verantwortlichen von heute bewerten? Womit können sie dem Urteil der Geschichte standhalten?

Es ist nicht gelungen, die Persönlichkeiten Andreas Hofers und Peter Mayrs zu schmälern, weil sie den Sinn ihres Lebens nicht im persönlichen Erfolg gesehen haben, sondern bereit waren, ihr Leben in den Dienst einer großen Sache zu stellen, der Freiheit ihres Volkes und Landes!

Eine letzte Frage, die wir uns zu stellen haben: Was halten die Jungen von diesen großen 200- Jahr-Feiern? Wenn wir wollen, dass sie uns ernst nehmen, werden wir auch danach leben und handeln müssen. Dann werden wir für Werte wie Freiheit, Eigenständigkeit und Tiroler Einheit auch etwas tun müssen.

In einem Jahr werden es 200 Jahre sein, dass Andreas Hofer und Peter Mayr erschossen wurden. Dann haben wir Bilanz zu ziehen, was von den schönen Worten der drei Landeshauptleute geblieben ist. Weiter im heutigen Trott, jeder stolz auf seinen Landeshauptmanntitel, der eine stolz auf Südtirol – „Alto Adige“, der andere stolz auf „sein Tirol“, das nördliche?

Sehen wir also ein Jahr lang die Gegenwart im Lichte der Haltung Hofers und Peter Mayrs, dann werden wir erkennen, welche Zukunft uns erwartet und welchen persönlichen Auftrag jede und jeder von uns in der Gegenwart hat!

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