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Leserbrief von Univ. Prof. Vermondo Brugnatelli Abgedruckt mit Einverständnis des Autors

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Am vergangenen Wochenende veröffentlichte die Sonntagszeitung “Zett” den Leserbrief von Univ. Prof. Vermondo Brugnatelli, in welchem dieser einen höchst interessanten Beitrag zur Ortsnamen- Debatte aus der Sicht eines gebildeten, unabhängigen und politisch vorurteilsfreien Italieners leistet.
Diesen Leserbrief möchten wir unseren interessierten Lesern nicht vorenthalten:

In diesen Tagen sieht man wieder eine alte und dumme Kontroverse über die Ortsnamen in Südtirol, wobei nach Meinung einiger Menschen alle Ortsnamen in Wegweisern und Karten "ins Italienische übersetzt" werden sollten, im Namen einer angeblichen Übereinstimmung mit dem Prinzip der "Zweisprachigkeit".
Als Linguist italienischer Sprache, bemerke ich, dass die Frage schlecht gestellt ist, da die Zweisprachigkeit das Sprachsystem und das gemeinsame Lexikon betrifft, aber natürlich nicht die Eigennamen.
Ein Beispiel: auch in den offiziellen Dokumenten auf Italienisch wäre es undenkbar, den Namen von Herrn Durnwalder "ins Italienische zu übersetzten", der eine einzelne Person ist, und zwei Namen überhaupt nicht braucht. Warum denn sollte ein Ort wie Durnwald zwei Namen haben? Auch ohne Berücksichtigung der manchmal  grotesken und lächerlichen Ergebnisse solcher „zwangsläufigen“ Übersetzungen (z. B. „Durna in Selve“!), führt eine Verdoppelung der Namen zu Komplikationen, sowohl wirtschaftlich als auch praktisch: Eine Karte voller doppelten Namen wird wahrscheinlich nicht lesbar, und mehrmals habe ich Missverständnisse bemerkt, die durch die Verwendung zwei verschiedener Namen für ein und denselben Ort entstanden sind.
Der einzige wahre (obwohl nicht zugegebene) Begründung des Antrags auf die Verallgemeinerung überall „italienischen“ Namen ist der chauvinistische Wille, zu zeigen, auch mittels der Sprache, den „Besitz“ dieser Orte durch den italienischen Staat.

Univ. Prof. Vermondo Brugnatelli
Universität Mailand-Bicocca

Univ. Prof. Vermondo Brugnatelli, geboren in Mailand am 19.10.1958, ist ein Sprachwissenschaftler, „Professore associato“von „Sprachen und Literaturen Nordafrikas“ an der Universität Mailand- Bicocca. Er beschäftigt sich besonders mit Berber, die ursprüngliche Sprache Nordafrikas, jetzt durch das Arabische bedroht, und hat dazu zahlreiche Werke veröffentlicht. Er ist Gründungsmitglied und Vorsitzender des „Berberischen Kulturellen Vereins“ in Italien, der anstrebt, dass die berberischen Sprache und Kultur in Italien besser bekannt werden. Prof. Brugnatelli ist auch durch seine zahlreichen Bücher und Publikationen international bekannt.
 
Die SÜD-TIROLER FREIHEIT dankt Herrn Prof. Vermondo Brugnatelli für seinen Gastkommentar.

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