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Kollmann: „Hinhören, wer die besseren Argumente hat“

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Der Südtiroler Landtag hat den Toponomastik-Gesetzentwurf der Süd-Tiroler Freiheit mit 8 Ja- und 21 Nein-Stimmen abgelehnt. Der Sprachwissenschaftler und ehemalige Landestoponomast Cristian Kollmann findet dieses Ergebnis beschämend und erschreckend und appelliert an die Südtiroler Bevölkerung.

Der Gesetzentwurf der SÜD-TIROLER FREIHEIT sieht die Abschaffung der
faschistischen Namensdekrete von 1923, 1940 und 1942 und die
Wiedereinführung der historisch gewachsenen und faschistisch
unbelasteten Toponomastik vor. Zu den historisch gewachsenen Namen
gehören, neben den deutschen und ladinischen, gut 200 italienische
Orts- und Flurnamen wie Bolzano, Merano, Bressanone, Venosta, Isarco,
Pusteria, aber auch Brunico, Laives, Postal und viele mehr. Orts- und
Flurnamen sind wichtige Zeugen der Sprach- und Siedlungsgeschichte.
Ettore Tolomei, der Erfinder des „Alto Adige“, war sich dieser Tatsache
bewusst und manipulierte die historisch gewachsene Toponomastik für
seine nationalistischen Zwecke. Die Frage ist nur: Wissen unsere
Politiker um den Wert der historisch gewachsenen Orts- und Flurnamen
oder empfinden sie mittlerweile genau so, wie Tolomei es wollte,
nämlich dass seine Namen ein ebenbürtiges Kulturgut darstellen? Die
Antwort liegt auf der Hand: Mit ihrem Nein zu einer wissenschaftlich
fundierten und faschistisch unbelasteten Toponomastik hat die große
Mehrheit unserer Politiker einmal mehr nicht den Mut aufgebracht, ein
klares Bekenntnis zur Sprach- und Siedlungsgeschichte Südtirols
abzulegen und ein politisches Signal zu setzen, nämlich gegen den vom
italienischen Faschismus herrührenden und bis in die Gegenwart
hereinreichenden Ortsnamenimperialismus. Nach wie vor lassen sich
unsere Politiker von falschem Toleranzdenken und pazifaschistischen
Ideologien leiten. Doch Faschismus verdient keine Toleranz,
faschistisch belastete Namen à la „Alto Adige“, „Vetta d’Italia“
„Vipiteno“ verdienen keinen Respekt, und ein lebendiger
Alto-Adige-Faschismus als friedenserhaltende Maßnahme ist nichts
anderes als friedensheuchlerische Zwangsbeglückung! Diese Symptome des
Mitläufertums unserer Politiker und der selbst auferlegten
Altoatesinisierung finde ich immer wieder beschämend und erschreckend.
Ich kann nur dafür plädieren, dass das Südtiroler Volk sich da nicht
mitreißen lässt, sich selbst und ihrem Land treu bleibt und genau
hinhört, wer die besseren Argumente hat. 

Anmerkung: Die Tageszeitung „Dolomiten“ war nicht bereit, diesen
Beitrag unter der Rubrik „Meine Meinung“ zu veröffentlichen. Trotz
mehrmaligem Nachfragens (zweimal per E-Mail und einmal telefonisch)
wurde mir keine Begründung für diese Entscheidung genannt. Es hieß
lediglich, dass man auf diese Frage nicht antworten könne und dass ich
diese Entscheidung zu akzeptieren hätte …

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