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Grabrede für Hans Stieler

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Es liegt im Wesen von Hans Stieler, dass er keine langen Grabreden wollte. Einige wichtige Bausteine seines Lebens und seines politischen Wirkens gehören aber hervorgehoben. Er hätte es leichter und viel bequemer haben können, wäre er seiner Überzeugung nicht so unbedingt treu geblieben, manchmal bis zur Unversöhnlichkeit! Hans ist ein halbes Jahr später aus der Gefangenschaft entlassen worden als viele seiner Landsleute, weil er auf die Frage, für welche Staatszugehörigkeit er sich entscheiden wolle, Österreich angegeben hatte, und nicht Italien.

Als Hans Mitte der Fünfziger Jahre, kaum dreißigjährig, mit ansehen musste, wie seine Heimat und vor allem die Vaterstadt Bozen nach der Verunstaltung durch die Faschisten mehr und mehr durch massive Zuwanderung aus dem Süden verfremdet wurde, reifte in ihm die Überzeugung, dass man diese Entwicklung mit allen Mitteln, notfalls auch mit illegalen, stoppen müsse. Die Stieler – Gruppe hat als erste auf Symbole des Unterdrückerstaates gezielt und die Welt auf die bedrohliche Lage in Südtirol aufmerksam gemacht. Die persönlichen Folgen waren schwer: Haft und jahrelange Verfolgung!

Maßgeblich in den Fünfziger Jahren für die Erkenntnis, dass die Politik Italiens auf die Verdrängung des angestammten Tiroler Volkes aus seiner Heimat hinausläuft, war das Naheverhältnis Hans Stielers zu Kanonikus Michael Gamper, der ihm auf den frühmorgendlichen Heimfahrten aus der Redaktionsstube des Verlagshauses Athesia, in welchem Hans als Buchdrucker arbeitete, manches anvertraut hatte. Hans zog daraus den Schluss, dass von parteihörigen und allzu kompromissbereiten Politikern nicht das zu erwarten war, was den Einhalt der Überfremdung bewirken könne.

Auch später dann, lange nach seiner Entlassung aus italienischen Gefängnissen, war es die Begegnung mit großen Persönlichkeiten wie Felix Ermacora, welche Hans Stieler zum politischen Handeln trieben: Als Italien die UNO-Menschenrechtspakte unterzeichnet hatte, und damit die Forderung nach Selbstbestimmung für Südtirol nicht mehr mit lebenslanger Haft geahndet werden konnte, schwörte Hans Stieler den von ihm mitbegründeten Südtiroler Heimatbund auf den demokratischen Kampf für die Anwendung dieses Menschenrechtes ein.

Keine Fahrt war ihm zu weit, keine Anstrengung zu groß, um dafür von Mailand bis Wien zu werben. Bezeichnend ist, dass er für seine Ideale und seinen Kampf eine ganze Reihe von Akademikern, auch junge, gewinnen und begeistern konnte!

Neben der Ausübung seines Baumeister- Berufes hatte er unzählige politische Treffen, Versammlungen und Gespräche. Die Landesversammlung der Großpartei behandelte einen von ihm  mitverfassten Beschluss zur Selbstbestimmung und nahm ihn fast einstimmig an. Als er mit seinen Weggefährten erkennen musste, dass dieser Beschluss nicht recht viel weiter als bis in die Schublade kam, und sich der damalige Landeshauptmann mit ganzer Macht und Autorität gegen die Selbstbestimmungsbewegung stellte, beschritt Hans mit dem Heimatbund den Weg der Volkstumspolitik außerhalb der Sammelpartei. Mit vielen Persönlichkeiten, welche er für den Selbstbestimmungsweg begeistern konnte, sorgte er dafür, dass dieser als Alternative zur Paketpolitik immer mehr an Boden und Anhänger gewann. Hans war eine der Säulen des Widerstandes, des Freiheitskampfes und der Selbstbestimmung!

Es gab auch immer wieder Rückschläge, Verunglimpfungen und vor allem Anfeindungen. Einer seiner Merksätze lautete: Satte Sklaven sind die größten Feinde der Freiheit! Überhaupt hatte er einen großen Schatz an Lebensweisheiten, die er unverblümt anbrachte und mit denen er wohl auch manchen vor den Kopf gestoßen hat. Er hat sein Gegenüber nicht mit unangenehmen Wahrheiten verschont! Manchmal auch hart, aber heilsam!

Wichtige Bausteine im Leben von Hans Stieler waren aufopfernde Hilfsbereitschaft,  seine Menschlichkeit und sein bedingungsloser Einsatz für alles, was ihm wichtig war: nicht nur für seine Ideale, sondern für die greifbare, irdische Heimat und vor allem für die ihm anvertrauten Menschen. Wie er jahrelang seine alte Mutter gepflegt, für seine Familie und Arbeiter gesorgt hat, ist vorbildhaft! Vielen hat er eine Existenz geschaffen, vielen das Fundament für ein besseres Dasein gelegt!

Südtirol und wir alle haben Hans Stieler vieles zu verdanken! Der Herrgott möge ihm lohnen, was wir nie vergelten konnten! Wir wollen ihm aber versprechen, dass wir in seinem Sinne weiterkämpfen werden, nach seinem Motto: „Aufgeb’ n tian miar lei di Poscht!“ Es sei ihm Frieden zuteil, in einem ewig blühenden Rosengarten. Er hat dies mehr als verdient!

Pfiati, Hans!

Eva Klotz

Bozen, 19. Jänner 2010

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