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„Dolomiten“ verletzten ihre Informationspflicht

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Im „Vorausgeschickt“  der „Dolomiten“ vom 11. März schreibt Arnold Sorg‚ es gebe „immer mehr Bürger, die ‚im Dienste ihrer Heimat‘ ihre italienischen oder ausländischen Nachbarn verprügeln“. Sollte mir da etwas entgangen sein? In den „Dolomiten“ der letzten Jahre und Monate habe ich jedenfalls keinen einzigen Bericht über einen Bürger gefunden, der seinen Nachbarn im Dienste der Heimat verprügelt hätte. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Herr Sorg da einiges weiß, es aber – warum wohl? – nicht veröffentlicht.

Das ist für mich (ich habe ja 32 Jahre in der „Dolomiten“-Redaktion
gearbeitet), ein krasser Fall von Verletzung der Informationspflicht.
Wer solche Nachbarverprügler kennt, muss sie beim Namen nennen und der
Polizei anzeigen, damit sie der gerechten Strafe zugeführt werden.
Sonst macht er sich mitschuldig. Gar nicht in Erwägung ziehen will ich
die Möglichkeit, dass Herr Sorg überhaupt keine solchen Fälle kennt,
sondern alles nur erfunden hat.

Damit wären ja die „Dolomiten“ in die
Fußstapfen ihrer Vorgängerzeitung „Brixener Chronik“ getreten, die vor
dem Ersten Weltkrieg systematisch Falschmeldungen über die „bösen
Juden“ verbreitete und so die Voraussetzungen für die Akzeptanz des
Holocaust auf lokaler Ebene schuf (siehe mein Buch „Krummstab und
Krummnase – der christlichsoziale Antisemitismus in Tirol am Beispiel
der Brixener Chronik“).

Dass Herr Sorg auch noch die auf einem falschen
Zitat beruhende Meldung der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“ bezüglich
einer angeblich geplanten Sprengung des Siegesdenkmals als bare Münze
übernahm (ohne die „Tageszeitung“ zu nennen, wie es sich gehört hätte),
stimmt mich allerdings nachdenklich. Wer so sorglos wie Herr Sorg mit
der Wahrheit umgeht und so offensichtlich gegen die Beseitigung eines
faschistischen Denkmales ist, dem ist auch sonst einiges zuzutrauen…

Hartmuth Staffler,
Süd-Tiroler Freiheit, Brixen

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