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Vor 85 Jahren: Verbot der gewachsenen Ortsnamen in der Berichterstattung

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Ab 1925 gab es in Südtirol keinen deutschen Ort, Berg und Weiler mehr!

Um Südtirol endlich auch nach außen einen rein italienischen Anstrich zu geben, verboten die Faschisten ab 24.Oktober 1925  kurzerhand in den Medien die Verwendung der gewachsenen Ortsnamen, so Roland Lang, Leitungsmitglied der SÜD-TIROLER FREIHEIT.

Eduard Reut-Nicolussi, damals seit 1921 Südtiroler Abgeordneter im römischen Parlament, schrieb dazu in seinem Buch „Tirol unterm Beil“ im Jahre 1928:
 
„Im Sommer 1925 wurde den Zeitungen befohlen, in Zukunft nur mehr die italienischen Ortsnamen zu gebrauchen, und zwar mit dem ausdrücklichen Vermerk, dass die alten deutschen Namen auch nicht einmal als Übersetzung daneben gebracht werden dürften. Die Bevölkerung verstand nun vielfach gar nicht mehr, wo sich die gemeldeten Tatsachen zugetragen hatten, da die verwelschten Namen fast niemand geläufig waren.“

Als traurige Hilfe für die Leser veröffentlichte am 24. Oktober 1925 die Zeitung „Der Landsmann“, aus dem später die Dolomiten hervorgehen sollte, eine Aufzählung von faschistischen Ortsnamen mit der Übersetzung in die historischen Bezeichnungen.

Dazu bemerkte die Zeitung „DER LANDSMANN“ im Vorspann unter dem Titel:

„ITALIENISCH DEUTSCHES ORTSNAMENSVERZEICHNIS

Die Ortsnamen unseres Gebietes

Infolge behördlichen Auftrages, der sich auf das Präfekturdekret vom 28. Oktober 1923 , Nr. 14718 müssen die im nachfolgenden Verzeichnis angegebenen Ortsnamen unseres Gebietes,  enthalten im königlichen Dekret vom 29. März 1923, Nr. 800, nun auch in der Zeitung in der offiziellen Bezeichnung gebraucht werden. An Hand der Gegenüberstellung der offiziellen Bezeichnungen der Orte und deren alten Namen haben die Leser die Möglichkeit, zu ersehen, welcher Ort unter der ihnen vielleicht nicht geläufigen neuen Bezeichnung gemeint ist.“

Dann folgt das Verzeichnis: „Acereto – Ahornach, Aica- Aicha, …. Terlano- Terlan, ….“

Es ist unglaublich, dass heute modernste Navigationsgeräte und internationale Karten nur die damals mit faschistischem Dekret eingeführten pseudoitalienischen Namen verwenden, und heute immer noch nur diese Namen amtlich sind.

 Die JG in der SVP schrieb dazu in einer Stellungnahme 1984:

„UNSER GRUNDSATZ: EIN UNRECHT DARF NICHT ZUM POSITIVEN RECHT WERDEN
Die Tolomei- Bezeichnungen dürfen nicht weiter geltendes Recht bleiben. Wenn es hier jemals eine ehrliche politische Entscheidung geben soll, dann ist es die (längst schon fällige) Annullierung der faschistischen Dekrete.“

Die SÜD-TIROLER FREIHEIT fordert zum wiederholten Mal, endlich die faschistischen Ortsnamen abzuschaffen, und die historisch gewachsenen Ortsnamen wieder einzuführen. Auf der Basis faschistischer Dekrete kann es keine gerechte Lösung der Ortsnamensfrage und damit ein friedliches Zusammenleben geben.

Roland Lang
Leitungsmitglied der SÜD-TIROLER FREIHEIT

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