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Italien rückt dem Abgrund näher

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Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat am 25. November 2010 unter dem Titel :"Italien rückt dem Abgrund näher" einen Artikel von Tobias Piller, Rom, abgedruckt. Nachstehend aus Platzgründen nur die beiden letzten Absätze dieses Berichtes, die dem italienischen Staat und seiner Wirtschaft ein düsteres Bild voraussagen:

"Damit sind die Aussichten für die Zukunft düster: Italien ist
führungslos, unfähig zu Entscheidungen und weit entfernt von bitter
nötigen Reformen. Selbst im Konjunkturaufschwung ist nur ein reales
Wachstum von einem Prozent in Sicht. Die Schulden wachsen dagegen
jährlich mit drei Prozent und mehr. Da ist es nur noch eine Frage der
Zeit, bis die Anleger die Konsequenzen vorwegnehmen mit einer Flucht aus
italienischen Staatstiteln.

In Italien hat eine Politikergeneration versagt, die mit der Einführung
eines Zweilagersystems von Parteien mehr Stabilität schaffen wollte. Auf
dem Vormarsch ist nun wieder der Typ von Parteiführer, der
Klientelwesen und tägliches hohles Wortgeklingel für Staatskunst hält.
Langfristige Reformen wurden seit Jahren von solchen Leuten aus
tagespolitischem Kalkül blockiert. Solche Politiker haben Italiens
Euro-Dividende – 40 Milliarden Euro jährlich – verfrühstückt, zugleich
aber nie verstanden, welches Geschenk der Euro für Italien bedeutete:
Der ehemalige Staatspräsident und Schatzminister Ciampi sah im Euro auch
einen Rettungsanker für Italien. Ohne Euro, gestand er nach der
Aufnahme Italiens, wäre das Land längst wie Argentinien in einer großen
Staatspleite geendet. Doch nun wird Italien zur Gefahr für den Euro.

Von Tobias Piller, Rom

(c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main"

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