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Blutige Angelegenheit

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Geehrter
Herr Redakteur Johannes Vötter, in ihrem „Zwischenruf“ in der Zett vom
28. November versuchen sie, das Selbstbestimmungsrecht lächerlich zu
machen, und möchten den Lesern erklären, dass jeder, der die Geschichte
kennt, wissen müsste, „dass der Zerfall eines Staatsgebildes eine
mitunter sehr blutige Angelegenheit ist. Korea, Tibet, die Ex-
Sowjetunion oder Ex-Jugoslawien- dort wurde und wird das
Selbstbestimmungsrecht mit Füßen getreten“.

Allerdings, lieber Freund Vötter: Wurde dort das Menschenrecht
Selbstbestimmung angewandt?

Korea kann sich nicht wiedervereinen, weil
Amerika, China und andere Staaten kein Interesse an einem
Zusammenschluss haben und deshalb die Koreaner gegeneinander aufhetzen.
Tibet
ist nicht China und würde sicher gerne das Selbstbestimmungsrecht
in Anspruch nehmen, die vielen Toten sind blutige Zeugen der
Verweigerung dieses Menschenrechtes. Das Gebilde Sowjetunion ist nach
dem Kommunismus in viele Staaten zerfallen. Hätten sie gegen ihren
Willen in einem Staat leben sollen? Vielleicht auch noch unter einer
kommunistischen Diktatur?

Slowenien und Kroatien, Mazedonien und
Montenegro
haben durch das Selbstbestimmungsrecht ihre Freiheit
gewonnen. Der Kosovo war lange Zeit ein Unruheherd, bis sich das Land
für unabhängig erklärte. Die Weltmächte haben diesen Schritt
nachträglich als gerechtfertigt anerkannt!

Ihre Schlussbemerkung, Ärmel hochkrempeln und wieder mit Leben
erfüllen, was Südtirol so stark gemacht hat, nämlich die Autonomie und
diese dann noch als wahre Selbstbestimmung zu verkaufen, zeigt die
Hilflosigkeit jener, die in der Sackgasse des Paketes nicht weiter
wissen.

 Wahre Selbstbestimmung bedeutet, dass die Südtiroler, Mensch für
Mensch, mit ihrer Stimme selbst entscheiden, wie sie ihre Zukunft
gestalten möchten. Autonomie hingegen bedeutet, jeden Tag um die eigenen
Rechte mit Rom zu streiten, ums Geld, die Ortsnamen, die 5 Promille, um
die beleidigenden faschistischen Denkmäler usw.!


Lieber Redakteur Vötter, glauben Sie nicht auch, dass das
Selbstbestimmungsrecht in die Menschenrechtspakte aufgenommen wurde, um
Konflikte und Bürgerkriege zu verhindern?

Warum sollen ausgerechnet wir Tiroler uns mit Gedeih und Verderb dem italienischen Sauhaufen ausliefern?

Roland Lang, Terlan

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