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Siegesdenkmal in Bozen: „Eine einzigartige Demütigung“

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Bei der Vorstellung des Buches „Das Denkmal für den Faschismus“ hat Co-Autor Hartmuth Staffler, der den Beitrag über das zerstörte Kaiserjäger-Gefallenendenkmal beigesteuert hat, sich grundsätzlich mit dem Thema „Siegesdenkmäler“ befasst und die Einzigartigkeit des faschistischen Denkmales in Bozen mit seiner demütigenden und blasphemischen Symbolik hervorgehoben. Hier zusammengefasst seine Ausführungen:

Am 3. Jänner dieses Jahres hat die Grün-Alternative Liste die
Beseitigung des Siegesdenkmales gefordert, weil ein solches Denkmal für
Militarismus und Krieg stehe und durch ein Friedensdenkmal ersetzt
werden müsse. Diese überraschende Nachricht kommt nicht aus Bozen,
sondern aus Freiburg im Breisgau, wo eher unbeachtet ein Denkmal steht,
das an den deutschen Sieg im Krieg gegen Frankreich 1870/71 erinnert.
Nach diesem Krieg waren in Deutschland zahlreiche Siegesdenkmäler
errichtet worden, allerdings nicht zur Demütigung der Besiegten, sondern
zum Dank an die eigenen Soldaten und zum Gedenken an alle Gefallenen.
Inzwischen sind manche dieser Siegesdenkmäler abgerissen bzw. in
Friedensdenkmäler umgestaltet worden. Dort, wo die Siegesdenkmäler noch
stehen, werden sie kaum beachtet. Vor allem würde es niemandem
einfallen, etwa am Sedantag (2. September), dem Tag des deutschen Sieges
in diesem Krieg, dort einen Kranz niederzulegen.

Eine ganz andere Bewandtnis hat es mit dem sowjetischen Siegesdenkmal in
Wien, das an die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus
erinnert. Mit dem Staatsvertrag musste sich Österreich verpflichten,
dieses Denkmal auf ewige Zeiten zu erhalten. Diese Verpflichtung wäre
beinahe durch den italienischen Neofaschisten Giorgio Massara
unterlaufen worden, der das Denkmal 1962 in die Luft sprengen wollte,
was im letzten Augenblick scheiterte. An dieser Stelle sei ein kurzer
Exkurs über ein anderes Thema erlaubt. Dieser Massara war nämlich
derselbe, der 1961 das Andreas-Hofer-Denkmal am Bergisel gesprengt hat
und der 1963 die Attentate auf das Löwendenkmal in Traunkirchen, auf die
Ebensee-Seilbahn und auf die Saline Ebensee in Niederösterreich
durchgeführt hat. Bei letztgenanntem Attentat wurde ein Gendarm getötet,
elf Personen wurden verletzt. Massara wurde deswegen von einem Gericht
in Verona wegen fahrlässiger Tötung unter Anerkennung mildernder
Umstände wegen „ehrenwerter Motive“ zu einer geringen Gefängnisstrafe
verurteilt. Hingegen warten unsere Freiheitskämpfer, die nie einen
Menschen getötet haben, immer noch auf die Begnadigung von ihren
lebenslänglichen Haftstrafen.

Während die genannten Siegesdenkmäler heute kaum jemanden stören, weil
sie gegen niemanden gerichtet sind und niemanden beleidigen, ist das
faschistische Siegesdenkmal in Bozen eine dauernde Provokation und
Demütigung der einheimischen Bevölkerung. Prof. Nerio De Carlo hat in
dem jetzt erschienenen Buch in einer sehr tiefsinnigen Analyse
dargelegt, welche Absichten das faschistische Regime mit diesem Denkmal
verfolgte und welche demütigende Symbolik nicht nur in der berüchtigten
Inschrift, sondern im gesamten Bau steckt. Besonders verwerflich ist,
dass sehr stark mit religiösen Symbolen gearbeitet wurde (Altar, Krypta,
Kreuz usw.) die dem Faschismus untergeordnet sind, so dass diese
totalitäre Ideologie als eine Art Erhöhung der Religion und Benito
Mussolini als ein neuer Messias erscheeinen. Auch aus diesen Gründen
hatte der Südtiroler Klerus seinerzeit, leider vergeblich, Papst Pius
XI. ersucht, dem faschistischen Denkmal den Segen der Kirche zu
verweigern.

Zu der – in diesem Fall unsichtbaren – Symbolik des Siegesdenkmales
gehört auch, dass der Bau einige Meter hinter dem Gefallenendenkmal des
Zweiten Tiroler Kaiserjägerregimentes errichtet wurde. Die Trümmer des
von den Faschisten zerstörten Gefallenendenkmales liegen jetzt unter dem
Vorplatz des Siegesdenkmales, damit sie bei allen offiziellen Anlässen
von den Anwesenden buchstäblich mit Füßen getreten werden. Während in
allen zivilisierten Ländern den gefallenen Gegnern Respekt erwiesen
wird, werden hier auch noch die Toten entehrt.

Diese Beispiele zeigen, dass das Siegesdenkmal nicht einfach als
„erhaltenswertes Kunstwerk“ bezeichnet werden kann. Architekt Piacentini
hat seinem Duce ein „durch und durch faschistisches Denkmal“
versprochen, und zumindest das ist ihm wohl auch gelungen. „Der
eigentliche Skandal ist nicht mehr das Faschistendenkmal, sondern der
italienische Umgang damit“, hat der bekannte Historiker Prof. Michael
Gehler gesagt. „Ohne Reflexion bleibt Renovierung nur Reaktion und
Restauration“. Wenn nicht nur der einfache (italienische) Mann von der
Straße sich mit diesem Denkmal identifiziert, wobei man vielen das
Fehlen von Sachkenntnissen zugute halten muss, sondern sogar der
italienische Verteidigungsminister erklärt, das Denkmal ehre jene, die
„für das Vaterland, die Freiheit, den Aufbau eines demokratischen
Staates und den Frieden zwischen den Völkern gefallen sind“ (in
Beantwortung einer Anfrage im Parlament am 27. März 2009), dann sieht
man, wie dringend notwendig das jetzt vorgelegte Buch ist. Es soll vor
allem unsere italienischen Mitbürger informieren und zum Nachdenken
anregen und ist deshalb auch in italienischer Sprache erschienen.

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