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Wer sind die wahren „Zündler“?

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Der Brixner Gemeinderat hat am Donnerstag einen Beschlussantrag der Gemeinderäte Walter Blaas (Freiheitliche) und Dario Stablum (Insieme) behandelt, die verlangten, in Brixen je eine Straße nach den Kaiserjägern und nach der Alpini-Brigade „Tridentina“ zu benennen. Man wolle damit zeigen, dass es in Südtirol mehr gebe als „Zündler“ und „Verräter“, sagte Blaas. Der Antrag wurde zwar vertagt, weil BM Pürgstaller eine einvernehmliche Lösung suchen will. Davor gab es jedoch eine heftige Debatte.

Hartmuth Staffler, Gemeinderat der Süd-Tiroler Freiheit, wies den
Vorschlag entschieden zurück und zeigte in einem historischen Exkurs
auf, dass gerade die Alpini der „Tridentina“, die sich im Krieg gegen
die Sowjetunion als Brandstifter hervorgetan haben, „Zündler“ waren,
denen man jetzt ein Denkmal setzen wolle. Nachstehend ein Auszug aus den
Ausführungen Stafflers: 

Es verwundert, dass man in einer Zeit, die den Militarismus überwunden
haben sollte, Militäreinheiten mit Straßenbenennungen ein Denkmal setzen
will. In Bezug auf die Kaiserjäger wäre es ja verständlich. Ein
Batallion des Zweiten Tiroler Kaiserjägerregimentes ist im Jahr 1878
nach Brixen verlegt worden, weil die Gemeindeverwaltung in Wien
inständig darum gebeten hatte. Man wollte damit die Wirtschaft beleben.
Die Kaiserjäger waren in Brixen sehr beliebt, es haben auch viele
Einheimische bei ihnen Dienst geleistet. Bei Ausbruch des Ersten
Weltkrieges wurden die Kaiserjäger an die Ostfront geschickt und haben
dort starke Verluste erlittent, während es vor allem unsere Brixner
Standschützen unter Major Josef Lutz waren, die unsere Heimat gegen die
italienische Aggression aus dem Süden verteidigt haben. Diese Leistung
hätte es, wenn schon, eher verdient, gewürdigt zu werden. Man sollte bei
der Beurteilung militärischer Verdienste schon zwischen Aggression und
Verteidigung unterscheiden.

Ganz anders als mit unseren Kaiserjägern verhält es sich mit der
Gebirgsbrigade Tridentina. Es beginnt schon mit dem Namen dieser
Militäreinheit. 1863 hat der italienische Sprachwissenschaftler
Graziadio Isaia Ascoli vorgeschlagen, die so genannten „terre
irredente“, d.h. die angeblich unerlösten und angeblich vollkommen
italienischen Gebiete Österreichs, als „Tre Venezie“ zu bezeichnen. Das
eigentliche Venetien sollte Venezia Propria oder Venezia Euganea heißen.
Das hauptsächlich von Slowenen und Kroaten besiedelte österreichische
Küstenland sollte die Venezia Giulia werden und das überwiegend
deutschsprachige Süd-Tirol gemeinsam mit dem überwiegend
italienischsprachigen Welsch-Tirol die Venezia Tridentina. Die
Faschisten haben diese nationalistische Namensgebung begeistert
aufgegriffen und im Jahr 1923 aus Süd- und Welsch-Tirol die Provinz
Venezia Tridentina geschaffen. Damit ist dieser Begriff bis heute
nationalistisch und faschistisch belastet und es wäre kultureller
Selbstmord, einer solchen Namensgebung zuzustimmen.

Es geht aber nicht nur um den Namen dieser Militäreinheit. Die Alpini
haben die Hauptlast der imperalistischen Aggression Italiens gegen Tirol
im Ersten Weltkrieg getragen. Sie haben sich dann mit dem
Völkermordkrieg gegen das Kaiserreich Äthiopien, mit der Aggression
gegen Griechenland, mit den Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung am
Balkan und mit dem nazifaschistischem Überfall auf die Sowjetunion einen
Namen gemacht. Vor allem in diesem  Krieg hat die damalige
Alpinidivision Tridentina eine unrühmliche Rolle gespielt.

Der Kern dieser Division war 1923 als Zweite Alpini-Gruppe aufgestellt
worden. 1926 wurde daraus die Zweite Alpini-Brigade, die 1934 den
Beinamen Tridentina erhielt und 1935 zu einer Division erweitert wurde.
Diese Division ist am 26. Jänner 1943 in den Zwischenfall von
Nikolajewka verwickelt worden, der von der Brigade Tridentina in Brixen
unter Verfälschung der Tatsachen bis in jüngste Zeit als Heldentat
gefeiert wurde. Einheiten der Tridentina waren beim Rückzug am Don von
sowjetischen Einheiten eingekesselt worden. Das 24. deutsche Panzerkorps
unter Generalleutnant Karl Eibl sprengte den sowjetischen
Belagerungsring und öffnete den Alpini den Weg in den Westen. Es wird
erzählt, dass sich der Alpinigeneral Luigi Reverberi auf ein deutsches
Sturmgeschütz setzte und mit den Worten „Tridentina avanti“ zum Rückzug
rief. Dem General Eibl wurde der Einsatz für die Alpini nicht gedankt,
er starb durch eine italienische Handgranate. Ob es ein bewusster
Sabotageakt oder ein Versehen war, konnte nie geklärt werden. Jedenfalls
wurde auch in einem anderen deutschen Fahrzeug eine italienische
Handgranate entdeckt, die nicht explodiert war, außerdem gab es
zahlreiche weitere Sabotageakte der Alpini, vor allem Brandstiftungen,
unter denen auch die sowjetische Zivilbevölkerung litt. Die Alpini haben
sich auch, wie aus Dokumenten hervorgeht, an Massakern an Zivilisten
und Juden beteiligt.

Nach dem Krieg wurde im Jahr 1951 in Brixen eine Alpini-Brigade
aufgestellt, die wieder den faschistisch belasteten Namen Tridentina
erhielt. Die Kontinuität mit der Division, die gegen die Sowjetunion
gekämpft hatte, wurde nicht nur durch diesen Namen ausgedrückt, sondern
auch dadurch, dass das Kommandogebäude der Brigade in Brixen nach
General Luigi Reverberi benannt wurde, obwohl der General durch eine
parlamentarische Untersuchungskommission aus dem Dienst entfernt worden
war.

Die Alpini waren nicht, wie seinerzeit die Kaiserjäger, als Landsleute
und willkommene Beschützer nach Brixen gekommen, sondern als
Besatzungstruppe, die sich auch dementsprechend arrogant verhielt. So
hat die Tridentina das ursprünglich von der Gemeinde für den Bau von
Rücksiedlerhäusern bestimmte Gelände in Kranebitt für sich beansprucht
und dort Offiziersvillen gebaut. Noch in den 80er-Jahren hat die
Tridentina in Köstlan, ohne sich um Bauleitplan oder Baugenehmigung zu
kümmern, Wohnungen gebaut und diese als Verteidigungsanlagen deklariert
hat, womit klar wird, dass diese Soldaten ihre Aufgabe in der
nationalistischen Verteidigung einer angeblichen „italianità“ von Brixen
gesehen haben. Besonders unangenehm in Erinnerung geblieben sind die
Feiern, mit denen die Brigade Tridentina am 4. November den angeblichen
Sieg über uns beging. Weil sich der damalige Bürgermeister Dr. Valerius
Dejaco weigerte, an dieser Feier teilzunehmen, mit der die von ihm
vertretene Bevölkerung gedemütigt werden sollte, wurde er Ende der
50-er-Jahre für sechs Monate seines Amtes enthoben.

Die Alpinibrigade Tridentina hat in den 51 Jahren ihrer Stationierung in
Brixen alles getan, um sich bei der einheimischen Bevölkerung unbeliebt
zu machen. Wenn man die unrühmliche Vergangenheit hinzunimmt, für die
sich diese Einheit nie entschuldigt oder gerechtfertigt hat, dann muss
man zum Schluss kommen, dass der Vorschlag, eine Straße nach dieser
Einheit zu benennen, eine reine Provokation ist.

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