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SVP-Gemeinderat Willy Vontavon: "Süd-Tiroler sind nun eben doch ein Teil Italiens"

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In einem Leitartikel in der jüngsten Ausgabe der Monatszeitschaft „Brixner“ beklagt der Herausgeber und SVP-Gemeinderat Willy Vontavon, dass es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gelungen sei, die Italiener in Südtirol zu integrieren. Es sei Pflicht dieses Landes, den Italienern auch Heimat zu sein. Stattdessen brüskiere der Landeshauptmann die Italiener (mit der Nichtteilnahme an den italienischen Einheitsfeiern), die Süd-Tiroler Freiheit brüskiere die Italiener mit dem Verlangen nach einer „fragwürdigen“ doppelten Staatsbürgerschaft und der Abspaltung von Italien. „Ich frage mich, ob es nicht Zeit wäre, einzugestehen, dass Süd-Tirol auch für die deutschsprachigen Süd-Tiroler nun eben doch ein Teil Italiens ist – ein besonderer zwar, mit besonderem historischen Hintergrund, aber eben doch Italien“, schreibt Vontavon.

„Brüskieren“ scheint ein Lieblingswort Vontavons sein, und am liebsten
tut er es selber. Wenn ein SVP-Gemeinderat  derartig seine potentiellen
Wähler brüskiert, dann versteht man auch, dass die SVP in Brixen vor
einem Jahr mit solchen Kandidaten auf der Liste die größte Wahlschlappe
aller Zeiten erlitten hat. Die nicht erfolgte Integration vieler (nicht
aller!) Italiener ist laut Vontavon den Süd-Tirolern anzulasten, also
den Opfern und nicht den Tätern einer imperialistischen Aggression.
Anscheinend hat Vontavon noch nie den auf den Faschismus zurückgehenden,
aber immer noch beliebten Spruch „siamo in Italia“ gehört, der nicht
ein Integrationsbedürfnis der Italiener, sondern eine nationalistische
Assimilierungsabsicht ausdrückt. Die „Pflicht“ dieses Landes, den
Italienern Heimat zu sein, scheint laut Vontavon zu bedeuten, dass die
Süd-Tiroler des lieben Frieden willens auf ihre Heimat verzichten
müssten. Heimat ist doch nicht, wie Vontavon weismachen will, nur die
Pflicht eines (noch dazu gewaltsam annektierten) Landes, sondern immer
auch eine Verpflichtung für den Heimatsuchenden.

Warum die höfliche Absage des Landeshauptmannes an die Einheitsfeiern,
mit denen wir wirklich nichts zu tun haben, eine Brüskierung sein soll,
bleibt rätselhaft. Was soll man dann zu den Lega-Ministern sagen, die
den Einheits-Feiertag als „reinen Wahnsinn“ bezeichnen und nicht einmal
offiziell absagen, weil es eh‘ klar ist, dass sie nicht hingehen
werden.
 

Seltsam ist auch, dass die Forderung der Süd-Tiroler Freiheit nach einer
doppelten Staatsbürgerschaft
die Italiener brüskieren soll. Da finden
wir endlich einmal ein italienisches Gesetz (über die doppelte
Staatsbürgerschaft) sinnvoll und wollen, dass Österreich es kopiert, und
schon passt das auch wieder nicht. Die vielen Italiener, die unsere
Petition unterschrieben haben, sind jedenfalls anderer Meinung als
Vontavon. 

Wer die Wahrheit sagt, riskiert natürlich, alle jene zu brüskieren, die
lieber an Fälschungen und Verdrehungen festhalten. Aus diesem Grund hat
wohl auch die SVP (einschließlich Willy Vontavon) meinen Beschlussantrag
abgelehnt, mit dem an die von Faschisten und Nazis verfolgte jüdische
Mitbürgerin Lea Pincherle erinnert werden sollte.
In dem Antrag wurde an
die Verantwortung des italienischen Militärs erinnert, eine historische
Wahrheit, die man aber nicht akzeptieren will, weil sie das Militär
„brüskiert“. Wer sich von den Verbrechen der Vergangenheit nicht
distanzieren will, um niemanden zu „brüskieren“, der wird auch keine
friedliche Zukunft schaffen können.

Hartmuth Staffler,

Gemeinderat der Süd-Tiroler Freiheit in Brixen

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