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Faschistischer Marsch auf Südtirol – eine „kleine“ Randnotiz

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Tausend martialische Neofaschisten aus Italien marschierten mit einem Fahnenmeer durch die Stadt Bozen. Ihre Marschroute führte von einem Faschistendenkmal zum anderen durch Stadtteile, die während der faschistischen Herrschaft errichtet wurden. Sie müssen sich ganz „zu Hause“ gefühlt haben.
In der Freiheitsstraße stand am Straßenrand eine kleine Gruppe junger Südtiroler. Sie sagten nichts, protestierten nicht, „provozierten“ nicht. Sie lachten nur.

Sie lachten über die Ewiggestrigen, deren Geist manche auf „Teufel komm raus“ in Südtirol festhalten wollen.
Es dauerte keine zwei Minuten und die Südtiroler wurden gefilmt, aus nächster Nähe. Der Filmende, unschwer als Polizist in Zivil auszumachen, schob sich mit seiner Kamera fast auf Tuchfühlung an die Gesichter der jungen Burschen heran. So macht man es, wenn man jemanden zu einer Reaktion provozieren will. Doch die Burschen reagierten nicht. Im selben Augenblick waren sie bereits von weiteren Polizisten in Zivil umringt.
Dahinter marschierten lautstark mit grimmigen Gesichtern die Muskelpakete der Duce-Jünger vorbei. Die Polizei aber verlangte die Ausweise der „lachenden“ Südtiroler. Alle wurden von den sie umringenden Beamten aufgeschrieben. Sie hatten sich offensichtlich mit ihrem Lachen politisch „auffällig“ gemacht.
Die Filmkamera zeichnete jede Sekunde auf: Nicht die marschierenden Springerstiefel, nicht die Träger der Fahnenstangen, die sich sicher bestens auch als Schlaginstrumente eignen würden, sondern die jungen Südtiroler. Schließlich wurden sie, immer umringt, weggebracht. Im Klartext: Sie wurden des Platzes verwiesen.
Platz war am Faschistensamstag nur für die „duri e puri“, für die Harten und Überzeugten, die Benito Mussolini folgen, der hoch zu Ross von einem Regierungsgebäude (!) mitten in Bozen mit zum Faschistengruß erhobenem rechten Arm das gegenüberliegende Gerichtsgebäude grüßt. Die Tatsache, daß Mussolini erst 1956 (?) eingefügt und damit das den Faschismus verherrlichende Riesenrelief vollendet wurde, ist dabei kein mildernder Umstand, wie manche zu verharmlosen versuchen, sondern ein erschwerender Straftatbestand. Doch die Iustitia ist ja bekanntlich blind.
Ganz anders war es, als die Schützen mit demokratischen Bürgerinnen und Bürgern gegen die faschistischen Relikte demonstrierten. Am Straßenrand standen Italiener, die mit hasserfüllten Gesichtern anspuckten, anpöbelten, mit Faschistengruß provozierten, Transparente zu entreißen versuchten. Doch keine Polizei schritt ein, nahm die Personalien der Provokateure auf, verwies keinen Italiener vom Platz, der Beleidigungen schrie und sich mit dem Faschistengruß sogar strafbar machte.
Das ist das zweierlei Maß, das in Südtirol noch immer angewandt wird. Das ist einer der Beweise dafür, dass in diesem Land nach wie vor etwas nicht stimmt. Die Sicherheitskräfte haben in einem demokratischen Staat für Recht und Ordnung zu sorgen, aber nicht (ethnisch) Partei zu ergreifen.
Aber bestimmt haben die Sicherheitskräfte „nur zum Schutz“ der jungen, lachenden Südtiroler gehandelt. Alles klar!
Als die Beamten sahen, dass ich die Szene beobachtete, war ich auch schon von zwei Männern in Zivil umringt. Ich ging lieber weiter und überließ an diesem „schwarzen“ Samstag Italien die Straße meiner Heimatstadt: den Rechtsextremisten und der so aufmerksamen und völlig neutralen Polizei.

Von einem Bozner

Bild: stol.it

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