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Verraten und verkauft

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Verraten und verkauft

Gestern abend schaute ich mir die 1. Folge der in Prags und Innichen gedrehten neuen italienischen Serie mit Terence Hill – un passo dal cielo – an. Meine kritische Meinung dazu – ganz ehrlich – ich habe mich verraten und mal wieder an Italien verkauft gefühlt!! Da taucht eine gut gebaute Gastwirtin im kurzen Dirndl auf und plappert munter in ihrem fast schon neapolitanischen italienischen Dialekt drauf los – das passt ja wohl wie die Faust aufs Auge! Ich war richtig geschockt!!

Dann kommt noch der Bürgermeister von Innichen ins Spiel – auch mit zutiefst italienischem Akzent und wird in seinem Büro gefilmt – welche Fahnen wehen? – na welche wohl? Natürlich die Italienische!!
 
Das fesche Mädel möchte dem Förster zum Mittagessen ein paar "canederli" machen und so weiter und so weiter…..
 
Nur 1x sieht man kurz die Tiroler Fahne wehen – das war wenigstens authentisch – obwohl ich nicht sagen kann, dass mich dies beruhigt hat.
 
Man stelle sich nun vor: als Italiener in irgendeiner italienischen Region (der Südtirol nicht kennt) sitze ich vor dem Fernseher und schaue mir diese Serie mit zugegeben schönen Aufnahmen einer wunderbaren Berggegend an.
 
Was denke ich mir da: aha, wunderschöner See, tolle Berge, nettes Städtchen; alles spricht dort italienisch, eine schöne italienische Region haben wir da. Da werde ich meine nächsten Ferien verbringen.
 
Und weil mir in der Schule die Südtiroler Geschichte bewusst vorenthalten wurde (was ich aus Bekanntenkreisen sicher weiß) habe ich auch total keine Ahnung dass diese Menschen deutsch sprechen und eine eigene tief verwurzelte Tiroler Kultur haben. Was Wunder also, wenn diese Besucher erst mal komisch reagieren wenn sie der zweisprachigen Beschilderung und anderen deutschen Zeugnissen begegnen.
 
Ok, wahrscheinlich habe ich mich vorab nicht richtig informiert, dass die Serie so dargestellt wird.
 
Ich dachte mir nämlich, dass die Serie zwar in unserer schönen Gegend spielt, aber fiktive Ortschaften behandelt. Falsch gedacht!!
 
Gut, dann ein anderer Vorschlag: dann müsste es doch möglich sein, vor dem Serienstart das italienische Publikum mit einem Vorspann über Geschichte, Land und Leute aufzuklären. Wenn wir schon als Provinz (und damit jeder einzelne Steuerzahler) soviel Geld in dieses Filmprojekt investieren müssen, wäre das wohl nicht zu viel verlangt. Oder rechtfertigt hier mal wieder der Zweck (in diesem Fall das Anwerben von italienischen Touristen) die Mittel?
 
Jedenfalls hat diese 1. Folge meine Tiroler Seele ganz schön ins Grübeln gebracht und mir einige Stunden Schlaft geraubt (ehrlich!).
Jede weitere Folge dieser Serie ist nur der wunderbaren Landschaft zuliebe anzusehen. Aber nachdem ich nicht weit weg davon wohne, betrachte ich sie mir lieber wieder live.
Das kostet mich weniger Nerven.
 
In diesem Sinne
einen guten Abend und eine gute Nacht!

Geschrieben am 11. April um 22:00 von einer kritischen und aufmerksamen Südtirolerin

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