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Arnold Tribus – Vom Pazifisten zum Militaristen?

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In einem Randkommentar hatte Arnold Tribus am Samstag, den 9. April unter dem Titel „ALPINI-TREFFEN“ die italienischen Gebirgsjägern zu ihrem Aufmarsch am 12/13. Mai willkommen.
Tribus wörtlich: Es wird ein grün-weiß-rotes Bozen werden, das die Soldaten empfängt, die in Stadt und Land geschätzt sind“.

Im Bericht ist auch vom „Pathos“ des Alpinihutes die Rede, der auch die Südtiroler ergriffen hat, die durch den Militärdienst erstmals von zu Hause wegkamen und  dass die Südtiroler bei den Alpini  „… sich behaupten mussten, Männer werden, richtige Männer“.
 
„Sie sind willkommen, die 40.000 Alpini“ so Tribus zum Abschluss seiner Randbemerkung.
 
Roland Lang, Leitungsmitglied der SÜD-TIROLER FREIHEIT, hat dazu eine Antwort geschrieben. Da Tribus bedauerte, es wäre nicht möglich, das gesamte Antwortschreiben in der Südtiroler Tageszeitung zu veröffentlichen, wurde das Schreiben gekürzt und erscheint demnächst in der Südtiroler Tageszeitung. Die SÜD-TIROLER FREIHEIT veröffentlicht den ungekürzten Text. 

Arnold Tribus –
Vom Pazifisten zum Militaristen

Arnold Tribus hat in seinem Kommentar über das Alpinitreffen wohl alle seine früheren pazifistischen Befindlichkeiten über Bord geworfen. „Es wird ein grün weiß rotes Bozen sein, das die Soldaten empfängt, die in Stadt und Land geliebt und geschätzt werden“ weiß Tribus zu berichten, ja mehr noch,  die Südtiroler, so Tribus,  „ … mussten Männer werden, richtige Männer, geprüfte Männer“, wenn sie bei den Alpini waren.

Unbekannt scheint Tribus zu sein, dass die Südtiroler gezwungen waren, den Militärdienst bei einem fremden Staat zu leisten. So mancher Südtiroler erinnert sich noch an all jene Schikanen, die man in den Kasernen erfand, um die „Crucchi di merda“ zu drangsalieren. Dass einige Südtiroler sich beim italienischen Militär auch wohl fühlten, kann nicht abgestritten werden, sie waren aber eine Minderheit und meist unter dem Fachausdruck „Lecchini“ (Lecker) bekannt.

Der Alpiniaufmarsch in Bozen, von Steuergeldern finanziert, hat aber in Wahrheit einen  hochpolitischen Zweck: Bozen endlich einmal wieder, so wie es der Faschist Mitolo immer verkündete, als „Bolzano italianissima“ zu zeigen. Bozen soll in den Trikolorefarben allen zeigen, dass es eine italienische Stadt ist. Auch Spagnolli sprach zum Alpiniaufmarsch bereits von „einer friedlichen Einnahme“ (!) der Landeshauptstadt.

Und die Geschichte der Alpini ist keine glorreiche Geschichte, denken sie nur an die Alpinidivision Pusteria, Herr Tribus:
Im Jahr 1936 nahm die Division „Val Pusteria“ der so tollen Alpini an der Schlacht von Mai Ceu teil und vor allem am brutalen Massaker am Aschanghi-See.
Den fehlgeleiteten Geist dieser Alpini-Division erkennt man am besten, wenn man sich die späteren Worte des Divisionskommandeurs Pirzio Biroli in Kosovo 1940 in Erinnerung ruft: „Ich habe gehört, daß ihr gute Familienväter seid. Das ist gut bei euch zu Hause! Nicht hier!
Hier könnt ihr gar nicht genug Räuber, Mörder und Vergewaltiger sein!“

Niemand wird bestreiten, dass das Militär in Italien rechtsgerichtet ist! Auch Verteidigungsminister Ignazio La Russa, dem auch die Alpini unterstehen und der zur Ehre Mussolinis mit zweiten Vornamen  Mussolinis „Benito“ getauft wurde, aus der faschistischen Alleanza Nazionale stammt und die RSI- Soldaten ehrte, wird über soviel Italianitá in der kleinen, aber deutschen Südtiroler Tageszeitung, gerührt sein.

Was aber die Alpini sind, zeigt sich in der Bozner Reschenstraße: Vor einer Bar steht ein großer Alpinihut- und drinnen wird der Führer und Duce- Wein verkauft!

Roland Lang
Alpini bei der Sondereinheit ALE ALTAIR vom Oktober 1981 bis September 1982

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