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Gedenken an den Krieg gegen die Sowjetunion

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Am 22. Juni jährt sich zum 70. Mal der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion (Unternehmen „Barbarossa“). In den „Dolomiten“ vom 20. Juni hat Prof. Rolf Steininger, Haus- und Hof-Historiker des Südtiroler Tagblattes, an diesen Jahrtag erinnert. Was Steininger schreibt, ist wissenschaftlich fundiert und kann voll geteilt werden. Manches, was Steininger nicht schreibt, soll hier ergänzt werden, vor allem jene Tatsachen, die Süd-Tirol besonders interessieren.

Zu erwähnen ist vor allem, dass der Krieg Nazi-Deutschlands gegen die
UdSSR kein Alleingang war. Mehrere andere Staaten wie Finnland,
Rumänien, Ungarn, die Slowakei und Italien waren direkt als
kriegsführende Mächte beteiligt, Kroatien und Spanien indirekt durch
Entsendung von Freiwilligen-Legionen. Aus acht europäischen Staaten,
besonders aus Frankreich, Holland und Belgien, kamen rund 43.000
Freiwillige.

Italien war im Krieg gegen die Sowjetunion besonders engagiert. Für
Mussolini war es ein Weltanschauungskrieg gegen den Bolschewismus und
gegen die als minderwertig erachteten Slawen, verbunden mit der Hoffnung
auf einen Waffenerfolg im Schatten der deutschen Wehrmacht und auf
reiche Beute. Hitler hatte sich schon ab 1925 um Mussolini als
Bundesgenossen bemüht und dafür auf Südtirol verzichtet. Am 3. Mai 1938
hatte Hitler in Rom erklärt: „Es ist mein unerschütterlicher Wille und
mein Vermächtnis an das deutsche Volk, dass es die von der Natur
zwischen Italien und Deutschland gezogene Grenze für immer als
unantastbar betrachtet“ (ein Vermächtnis Hitlers, dem sich manche
Politiker heute noch verpflichtet zu fühlen scheinen).

Mit dem Stahlpakt vom 22. Mai 1939, in dessen Präambel erneut die
Brennergrenze bestätigt wurde,  sagten sich Hitler und Mussolini
gegenseitige Hilfe auch bei Angriffskriegen zu. Beim Treffen der beiden
Diktatoren am Brenner am 2. Juni 1941 informierte Hitler Mussolini über
den bevorstehenden Angriff gegen die UdSSR (Goebbels-Tagebücher, Eintrag
vom 22.06.1941). Als der Überfall am 22. Juni 1941 begann, bot
Mussolini Hitler noch am gleichen Tag seine Hilfe an, die Hitler „mit
dankerfülltem Herzen“ annahm. Am 23. Juni 1941 erklärte Italien der
Sowjetunion den Krieg, wenige Tage später waren bereits drei
italienische Divisonen, die sich auf Befehl Mussolinis seit 30. Mai auf
diesen Krieg vorbereitet hatten, im Einsatz. Im Jahr 1942 erhöhte
Mussolini die italienische Beteiligung auf eine ganze Armee (ARMIR) mit
mehr als zehn Divisonen, darunter drei Alpinidivisionen (Tridentina,
Julia, Cuneense) und insgesamt 230.000 Mann, von denen nach der
verheerenden Niederlage vom Winter 1942/43 nicht einmal die Hälfte nach
Italien zurückkehrten.

Die Reste der Alpinidivision „Tridentina“ wurden im Raum Brixen
gesammelt, um hier neu aufgestellt zu werden, was erst nach dem Krieg in
Form einer Alpinibrigade gelang.

Steininger schreibt in den „Dolomiten“ ganz richtig zur Bilanz dieses
Krieges: „In deutschem Namen waren ungeheure Verbrechen begangen
worden“. Er vergisst zu erwähnen – oder es erscheint ihm unwichtig -,
dass unter denen, die „in deutschem Namen“ ungeheure Verbrechen begangen
haben, auch italienische Truppen waren. Sowjetische Politkommissare und
„unerwünschte Elemente“ wie Juden oder Zigeuner wurden von den
Italienern laut Anweisung des Generalkommandos des Corpo di Spedizione
Italiana in Russia (CSIR) vom 23. August 1941 den Deutschen zur
Eliminierung übergeben, Partisanen und „Spione“ wurden von den
Italienern selbst hingerichtet. Als Vergeltung für Partisanenüberfälle
haben italienische Truppen ukrainische Dörfer wie z. B. Snamenka und
Gojanowski zerstört und fast alle Einwohner umgebracht. Dies wird
teilweise selbst von italienischen Quellen bestätigt (z.B. Archivio
dell’Ufficio Storico dello Stato Maggiore dell’Esercito/AUSSME, Comando
6° Regimento Bersaglieri: Relazione sul ciclo operativo
22/1.-22/.2/1943, zur Zerstörung von Snamenka und Gojanowski).  Das
Vorgehen der italienischen Truppen erinnert in vielem an ihren
Vernichtungskrieg gegen Äthiopien.

Der Gedenktag des nazifaschistischen Überfalles auf die Sowjetunion
sollte daher in der festen Absicht begangen werden, derartige Tragödien,
die auf Überlegenheitswahn und übersteigertem Nationalismus beruhen, in
Zukunft zu vermeiden.

Hartmuth Staffler

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