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Ein großer Freund Südtirols: Nachruf auf Primar und Nationalrat a.D. Dr. Otto Scrinzi

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In der Nacht vom 1. auf den 2. Jänner 2012 ist in Kärnten ein Mann verstorben, dem Südtirol viel zu verdanken hat. Der österreichische Primar und Nationalratsabgeordnete a.D. Dr. Otto Scrinzi ist 93 Jahre alt geworden. Er hatte ein erfülltes Leben hinter sich, welches von der Liebe zu Südtirol und von selbstlosem Einsatz für Volk und Heimat geprägt war.

Scrinzis Südtiroler Eltern hatte es 1918 nach Lienz verschlagen. Der
junge Bursch verbrachte seine Schulferien zumeist bei den Großeltern in
Branzoll bei Bozen und in Petersberg. Er half während der Faschistenzeit
seinem Onkel, einem aus dem Schuldienst entlassenen Lehrer, bei der
Durchführung des heimlichen deutschen Schulunterrichts.

Scrinzi trug zusammen mit Freunden deutsche Bücher über die Berge nach
Südtirol und half bei dem Aufbau der „Katakombenschulen“ mit.
Als in Österreich in der Zeit des Ständestaates die Demokratie
abgeschafft wurde und die Staatsführung mit Mussolini paktierte, schloss
sich der junge Innsbrucker Student Scrinzi den illegalen
Nationalsozialisten an.

Wie viele seiner Landsleute erwartete auch Scrinzi, dass dem Anschluss
Österreichs die Befreiung Südtirols folgen würde. Diese Hoffnung wurde
durch den Pakt Hitlers mit Mussolini und durch das schreckliche
Optionsabkommen bitter enttäuscht. Ein innerer Bruch mit der
NS-Parteilinie war die Folge.
Als Leiter des karitativen
„Reichsstudentenwerkes“ in Innsbruck vergab Otto Scrinzi Förderungen an
Südtiroler Studenten, verbunden mit der Auflage, nicht für Deutschland
zu optieren, sondern in Südtirol zu verbleiben. Zu den derart
Geförderten gehörte auch der spätere SVP-Politiker Friedl Volgger.

Durch diese und ähnliche Tätigkeiten geriet Otto Scrinzi in das Visier
der Gestapo, Einvernahmen und auch einige Tage Haft waren die Folge.
Seine Einrückung zur Wehrmacht nach seiner Promotion zum Doktor der
gesamten Heilkunde rettete ihn vor weiterer Bespitzelung und Verfolgung.

Als Truppenarzt diente Dr. Scrinzi auf dem Balkan und an der
Eismeerfront, um nach dem Krieg Primararzt in Kärnten,
Landtagsabgeordneter und 1966 Nationalratsabgeordneter und
Südtirolsprecher der Freiheitlichen Partei Österreichs zu werden.
Weitere politische Funktionen: Mitglied in der Beratenden Versammlung
des Europarates, Delegationsmitglied bei den Vereinten Nationen.

In einer großen parlamentarischen Rede wies Scrinzi im Jahre 1969 darauf
hin, dass die „Paket“-Autonomielösung schwerwiegende Mängel aufwies:
Von dem Fehlen einer einklagbaren Verankerung bis hin zur ungelösten
Ortsnamensfrage. Die weitere Entwicklung hat der damaligen Kritik des
Abgeordneten Scrinzi Recht gegeben.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik blieb Dr. Scrinzi seiner Heimat Südtirol verbunden.

Als Kurator der „Laurin-Stiftung“, der nach Einstellung der „Stillen
Hilfe“
größten Südtirol-Stiftung, half Dr. Scrinzi Jahrzehnte hindurch,
Hunderte von Bauernhöfen und gewerblichen Betrieben durch großzügige
Umschuldungen
aus unverschuldeten Notlagen zu retten.

Dazu kamen kulturelle Förderungen, die Dorfgemeinden, kirchlichen
Organisationen, Schützenkompanien, Musikkapellen und Vereinen zugute
kamen.

Ein besonderer Schwerpunkt war die Schaffung und Dotierung von
Assistentenstellen und die Vergabe von Stipendien für Südtiroler an der
Innsbrucker Universität
. Auch Zuschüsse an Institute und Bibliotheken
wurden gewährt.

Die Stiftungstätigkeit führte Dr. Scrinzi immer wieder in die alte
Heimat Südtirol und auch zu bewegenden Begegnungen mit ehemaligen
Freiheitskämpfern der Sechzigerjahre.

Im Februar 2003 ehrte der Südtiroler Schützenbund Dr. Scrinzi mit dem Ehrenkranz.

In seinen Lebenserinnerungen „Politiker und Arzt in bewegten Zeiten“
schrieb Scrinzi: „Für mich persönlich war diese Auszeichnung eine Art
zweiter Einbürgerung in meine Heimat, aus der meine Familie nach
vielhundertjähriger Ansässigkeit 1918 ausgebürgert worden war.“
Diese Ehrung hat Dr. Scrinzi mehr gefreut als die vorher erfolgte
Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die
Republik Österreich.

In seinem letzten Lebensabschnitt musste Dr. Scrinzi noch erleben, dass
die italienischen Behörden die offenbar ungeliebte Stiftungstätigkeit zu
kriminalisieren versuchten. Eine Tätigkeit, über die Dr. Scrinzi in
seinen Lebenserinnerungen schrieb:

„Diese meine Altersarbeit und die Möglichkeit, für meine Landsleute
manch Gutes tun zu können, waren Erfüllung für mich, die Wiederbegegnung
mit einer seligen Kindheits- und Jugendliebe. Und wären es nur diese
Jahre …, dann hätte mein Leben einen Sinn gehabt.“

Mir war es vergönnt, Dr. Otto Scrinzi in Südtirol persönlich kennen zu
lernen und mir seine persönliche Freundschaft zu erwerben. Mit
Dankbarkeit denke ich an ihn zurück!
 
Roland Lang

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