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Keine Antwort ist auch eine Antwort

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Vor einiger Zeit habe ich an „Dolomiten“-Chefredakteur Dr. Toni Ebner folgenden Offenen Brief geschrieben, auf den ich bis jetzt keine Antwort erhalten habe (so wie auch meine Leserbriefe und meine Pressemitteilungen nicht oder höchstens entstellt veröffentlicht werden).  Ich veröffentliche den Brief daher an dieser Stelle, damit sich jeder selbst seine Meinung bilden kann:

Sehr geehrter Herr Chefredakteur, lieber Toni,
als langjähriger „Dolomiten“-Redakteur, der noch unter Dr. Toni Ebner
senior die Arbeit beim „Tagblatt der Südtiroler“ begonnen und sie 32
Jahre mit Überzeugung ausgeübt hat, verfolge ich seit einiger Zeit mit
Sorge den sprachlichen und inhaltlichen Niedergang der „Dolomiten“.
Sowohl Dr. Toni Ebner senior als auch Dr. Josef Rampold haben immer
wieder betont, wie wichtig gerade in unserer unfreiwilligen
Minderheitensituation die Vorbildfunktion der Zeitung für eine gute
Sprache wäre. Damit ist es leider vorbei, da man die „Dolomiten“ heute
wohl eher als Anschauungsbeispiel für Rechtschreib- und Grammatikfehler,
Stilblüten und falsche Wortwahl bezeichnen kann.
Noch mehr Sorge bereitet mit allerdings der erstaunlich rasch vollzogene
Richtungswechsel um 180-Grad. Aus einem „Tagblatt der Südtiroler“, das
sich, wenn auch nicht immer ganz geradlinig, grundsätzlich für die
Behauptung der Südtiroler gegen diesen nationalistischen Staat
ausgesprochen hat, ist ein Propagandablatt für die Selbstaufgabe der
Südtiroler geworden.
Jüngstes und wohl auch schlimmstes Beispiel für diese verhängnisvolle
Entwicklung ist der Umgang mit dem nationalistischen Alpini-Treffen in
Bozen. Sicher war es eine journalistische Notwendigkeit, angesichts der
Größe des Ereignisses in angemessenem Umfang darüber zu berichten. Es
widerspricht aber jeder journalistischen Sorgfaltspflicht, einer
umstrittenen Veranstaltung eine reine Jubelberichterstattung zu widmen
und alle kritischen Details sorgfältig auszuklammern oder sie gar
schönzureden.  Journalistische Sorgfaltspflicht hätte es z. B. auch
erfordert, die auf einer Pressekonferenz der Süd-Tiroler Freiheit
vorgetragenen, fundierten Argumente gegen diese Veranstaltung zumindest
zur Kenntnis nehmen. Immerhin vertritt die Partei rund fünf Prozent der
Süd-Tiroler Bevölkerung, die (noch) zu einem großen Teil auch
„Dolomiten“-Leser sind, was man von den Alpini, sofern sie überhaupt
eine Zeitung lesen, wohl kaum behaupten kann.
Der negative Höhepunkt dieser Alpini-Speichelleckerei war ohne Zweifel
Dein Leitartikel „Offener Brief an die Alpini“. Bereits die einleitende
Behauptung: „Es ist uns nichts anderes übrig geblieben, als bei diesem
Fest mitzumachen“, ist falsch, da dieses unwürdige Spektakel ohne die
tatkräftige Finanzierung, Mitarbeit und damit Mitschuld des Landes nie
hätte stattfinden können. Ausgerechnet den ANA-Präsidenten Perone als
Beweis für den guten Willen der Alpini zu zitieren, ist geradezu absurd.
„Wenn man nach Bozen gekommen wäre, um alte Geschichten aufzuwärmen,
hätte ich das Treffen verhindert“, soll Perone gesagt haben. Dabei war
er es selbst, der mit der Kranzniederlegung vor dem auf Geheiß
Mussolinis errichteten Alpinidenkmal in Bruneck, das für die Verbrechen
der Alpini in Äthiopien steht, alte Geschichten aufgewärmt hat.  Du
schreibst, die Befürchtung vieler Südtiroler, wonach die in
Hunderttausenderstärke gekommenen Alpini zeigen wollten, dass unser Land
„sacra terra italiana“ sei, habe sich nicht bewahrheitet. Was sollten
dann die Spruchbänder und die vielen mündlichen Appelle, mit denen die
„italianità“ Südtirols beschworen wurde?  Hat die „Dolomiten“-Redaktion
davon nichts gesehen oder gehört? Oder hat Bürgermeister Spagnolli für
die Tage des Alpinifestes nicht nur alle Gemeindeverordnungen und auch
die Straßenverkehrsordnung außer Kraft gesetzt (Fahren im volltrunkenen
Zustand mit nicht zugelassenen und nicht versicherten Fahrzeugen und
gegen alle Verkehrsvorschriften hat die „Dolomiten“-Redaktion ja als
besonders charmante Feiermethode der Alpini entdeckt), sondern auch den
Hausverstand?
„Kommt wieder, Ihr wart besondere Gäste!“, heißt es abschließend in
Deinem Leitartikel. Ob diese Einladung wohl auch für ehemalige SS- und
Wehrmachtssoldaten gilt, mit denen die Alpini in der Ukraine gemeinsam
Jagd auf Juden und Zigeuner gemacht, ganze Dörfer niedergebrannt und
alle Bewohner ermordet haben, woran sie sich noch heute gerne erinnern
(Nikolajewka-Feiern)?  Was würde wohl Kanonikus Gamper sagen, der wegen
seines Widerstandes gegen Faschismus und Nationalsozialismus von beiden
menschenverachtenden Systemen verfolgt wurde, wenn er feststellen
müsste, dass die „Dolomiten“ den „Alto Adige“ rechts überholt haben?

Hartmuth Staffler
Hauptausschussmitglied der Süd-Tiroler Freiheit
und langjähriger Dolomiten-Redakeur

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