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Knappe Mehrheit für Brixner Alpinistraße

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wählen ihre Metzger selber
Berthold Brecht (1898-1956)

Mit verhältnismäßig knapper Mehrheit von 14 Ja bei acht Nein und drei Enthaltungen hat der Brixner Gemeinderat am Donnerstag abend ein Paket von 15 neuen Straßennamen angenommen, zu dem auch die umstrittene Alpinistraße gehört.

Für den Vorschlag stimmten SVP, PD und Grüne Bürgerliste, dagegen Hartmuth Staffler (Süd-Tiroler Freiheit), Klauspeter Dissinger (unabhängig) und die fünf freiheitlichen Gemeinderäte. Philipp Gummerer hatte als einziger SVP-Rat den Mut, gegen den Vorschlag zu stimmen, obwohl auch andere SVP-Räte Bauchweh hatten. Die beiden Insieme-Gemeinderäte Stablum und Conci sowie Bova (FLI) enthielten sich, weil ihnen der Vorschlag „Alpinistraße“ nicht weit genug geht. Sie fordern eine „Brigata-Tridentina-Straße“.

Für die Alpinistraße hatte sich der PD eingesetzt, dessen nationalistische Einstellung in Brixen keine Überraschung ist. Die sonst so pazifistische Grüne Bürgerliste hatte keine Einwände gegen die unzeitgemäße Militarismus-Huldigung. Die SVP war sich bewusst, dass die Alpinistraße in der Brixner Bevölkerung keine Begeisterungsstürme auslösen würde. Man habe daher, wie SVP-Fraktionssprecher Leo Dariz in salbungsvollen Worten erklärte, einen Kompromiss gefunden. Die Italiener verzichten auf die ursprünglich geforderte  „Brigata-Tridentina-Straße“ und auf die nördliche Hälfte (ab Mozartallee) der Vittorio-Veneto-Straße, die in Alpinistraße umbenannt wird, die Deutschen finden sich mit den Alpini ab. So habe jeder einen Schritt auf den anderen zu gemacht.

Gerade dieser angebliche Kompromiss sei die schlechteste  Lösung von allen, erklärte Hartmuth Staffler von der Süd-Tiroler Freiheit.

Der Name Vittorio Veneto, der für den angeblichen Sieg der Italiener im Ersten Weltkrieg steht, bleibt erhalten, und wird noch durch die Alpini ergänzt, die diesen angeblichen Sieg errungen haben sollen.  Staffler sprach sich grundsätzlich gegen Straßenumbenennungen aus, die für die Anrainer unnötiger Weise nur Probleme schaffen.  Es sei außerdem vollkommen unzeitgemäß, eine Straße nach einer Militäreinheit zu benennen, die sich von den dunklen Seiten ihrer Geschichte nie distanziert hat, sondern sich sogar noch stolz darauf beruft, wie die regelmäßigen Feiern des Gefechtes von Nikolajewka oder die Kranzniederlegungen an den Völkermord-Denkmälern in Meran und Bruneck zeigen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Alpini in Südtirol und ganz besonders in Brixen als arrogante Besatzungstruppe aufgeführt und neben manchem Guten, das niemand leugne, auch viel Schlechtes getan.  

Anstatt Straßennamen zu genehmigen, die nur Zwietracht säen, sollte man verdiente Personen, ganz gleich welcher Sprache, ehren.  Es sei daher bedauerlich, dass über die 15 Namensvorschläge nur im Block abgestimmt werde, weil man dadurch gezwungen sei, auch gegen begrüßenswerte Vorschläge wie Maria-Montessori-Straße oder Nicolò-Castiglioni-Straße zu stimmen.

Hartmuth Staffler

Gemeinderatder SÜD-TIROLER FREIHEIT in Brixen

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