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Monti – Schlimmer geht es nimmer

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Luis Durnwalder, seines Zeichens Süd-Tirols Landeshauptmann, ist ein geduldiger Mensch. Doch irgendwann reißt auch dem Landesfürsten der Geduldsfaden. Vor kurzem überreichte er dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer und seinem italienischen Amtskollegen Giorgio Napolitano den Großen Verdienstorden des Landes Süd-Tirol. Letzterer versicherte, daß die Autonomie des Landes zwischen dem Brennerpaß und der Salurner Klause nicht ausgehöhlt werde.

Weit gefehlt! Durnwalder schickte nun einen Brief nach Wien zu
dem ranghöchsten Triumvirat der Alpenrepublik, zu dem geehrten Fischer,
aber auch zu Kanzler Werner Faymann und Außenminister Michael
Spindelegger. Grund des Schreibens: Der italienische Ministerpräsident
Mario Monti, der als Technokrat ins Amt gehievt wurde und bis zum
heutigen Zeitpunkt keine Wählerstimme für sich verzeichnen konnte,
beschneidet immer mehr die Autonomie Süd-Tirols, mehr noch: Er
bezeichnet diese als nur eine inneritalienische Angelegenheit und die
Schutzmacht Österreichs als überflüssig.

Diese wiederholten und
schwerwiegenden Attacken der römischen Regierung sollten nicht
unkommentiert bleiben. Vor 20 Jahren beendeten Österreich und Italien
vor den Vereinten Nationen einen Streit, der im Grunde nicht beendet
wurde. Wer spielt denn mit dem Feuer und mißachtet Verträge am laufenden
Band? Monti hat seine Glaubwürdigkeit schon längst verspielt.
Süd-Tirol, das sich im Gegensatz zum italienischen Staat mit positiven
Haushaltszahlen rühmen kann, wird zur Melkkuh Italiens. Das ist blanker
Hohn, wenn man bedenkt, daß Monti ganz anders handelt wie bei seiner
Beratertätigkeit bei Goldman und Sachs. Hier zieht er nämlich den Armen
das Geld aus der Tasche und bereichert sich wie Donald Duck aus
Entenhausen.

Montis erste Ansätze waren halbwegs positiv, aber
er solle den Staat Italien sanieren und nicht international verankerte
Schutzmachtfunktionen in Frage stellen. Das kann schnell ins Auge gehen.
Süd-Tirol sollte sich daher schnell nach Alternativen umsehen. Denn
auch ein Jahrhundert nach dem Schiffbruch der Titanic heißt es „Mander,
es isch Zeit!“. Ansonsten sehe ich persönlich für die Zukunft meines
Heimatlandes schwarz. An der Kommandobrücke steht schon salutierend
Kapitän Monti und dreht die Uhr passend und pünktlich zur Winterzeit
nicht nur eine Stunde, sondern um 94 Jahre zurück.

Daß, am Rande
erwähnt, so viele ewiggestrige Italiener mit Mussolinifahnen und
römischem Gruß sich an die politischen Begebenheiten vor 90 Jahren
erinnern und sich in diese für Süd-Tirol unheilvolle Zeit
zurückversetzen, scheint Monti nicht zu interessieren. Die Schleifung
der faschistischen Denkmäler im Land von Etsch, Eisack und Rienz wäre
überfällig, eine Geste für den ethnischen Frieden im Land. Davon ist man
meilenweit entfernt, doch auch das interessiert Monti nicht. Wichtig
ist, daß Süd-Tirol zahlt und zahlt und am Ende wie vor der „Feuernacht“
da steht, nämlich als bettelarme und schutzlose Provinz Italiens.

Andreas Raffeiner

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