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Gedanken zum Herz-Jesu-Sonntag

Am Sonntag ist es wieder soweit: Herz-Jesu-Sonntag! Tiroler Fahnen werden hochgezogen, Feuer entzündet. Tirol bekennt sich zum göttlichen Bund, den die Ahnen in höchster Not im Jahre 1796 mit dem Herrgott geschlossen haben. Sind wir uns aber des Inhalts dieses Tiroler Feiertages bewusst? Gerade die Fußball-WM wirft diese Frage auf. Denn wie kann man der italienischen Nationalmannschaft die Daumen halten und einige Tage darauf stolz auf zum Schwur singen und ein Bergfeuer entzünden?

Das Gelöbnis entstand im  Jahre 1796 als napoleonische Truppen an den Landesgrenzen  standen und Tirol bedrohten. Damals beschlossen die Tiroler Landstände, den göttlichen Beistand mit einem Gelübde an das Herz Jesu zu erflehen. Schön und gut, damals wurde nicht Fußball gespielt, aber es wäre sicher keinem Tiroler eingefallen, irgendwo mit einer französischen Fahne herumzulaufen.

Bedenklich ist auch, dass der Tourismus immer mehr die Herz-Jesu-Feuer als Fremdenverkehrswerbung entdeckt. Bereits einige Hotels im Burggrafenamt und im Eisacktal werben mit den Bergfeuern und der Herz-Jesu-Prozession um Gäste. Es bleibt zu hoffen, dass der Herz-Jesu-Sonntag damit nicht immer mehr zu einer Fremdenverkehrsattraktion verkommt. Lobenswerterweise geben die Beherbergungsbetriebe aber alle die geschichtliche Entstehung dieses Sonntags an. Zumindest etwas.

Der Herz-Jesu-Sonntag ist auch jener Tag, an dem wir all jener Männer und Frauen ein Tiroler  Vergelt’s Gott sagen müssen, die sich  in den sechziger Jahren und besonders in dieser Nacht für die Heimat selbstlos eingesetzt haben. Der Freiheitskampf der sechziger Jahre war, wie der Kampf 1809 und die Verteidigung Tirols im ersten Weltkrieg, ein klares Zeichen des Freiheitswillens der Tiroler.

Europa befindet sich im Wandel. Auch die Mittel für den Freiheitskampf haben sich geändert. Die Zeit der Dreschflegel von 1809 und dem Dynamit der sechziger Jahre ist endgültig vorbei. Heute sind Freiheit und Selbstbestimmung durch die Menschenrechte einklagbar. Und mit der Erneuerung unseres Schwures ist unzertrennbar auch unser Einsatz für ein freies Tirol eingefordert!

Roland Lang
Obmann des Südtiroler Heimatbundes

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