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Gedenkfeier auf der Porzescharte: Polemik statt Wahrheitssuche

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Der „Südtiroler Heimatbund“ (SHB), eine von ehemaligen Südtiroler politischen Häftlingen gegründete Vereinigung, wehrt sich entschieden gegen das Verschweigen historischer Forschungsergebnisse.

Am vergangenen Wochenende fand vor dem Kirchlein Tamai di San Nicolò di Comelico in der Provinz Belluno zum 47.mal die Gedenkfeier für vier am 25. Juni 1967 angeblich  bei einem Anschlag des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS) auf der Porzescharte ums Leben gekommene italienische Soldaten statt.

Sowohl die Veranstalter der Gedenkfeier wie alle daran beteiligten offiziellen Stellen und Politiker ignorierten dabei leider die neuesten Erkenntnisse zeitgeschichtlicher Forschung.

Der österreichische Militärhistoriker Oberst Mag. Dr. Hubert Speckner und der Universitätsprofessor Michael Gehler haben das damalige Geschehen anhand bislang geheimer österreichischer Aktenbestände  einer akribischen Untersuchung unterzogen. Die Erkenntnisse wurden in dem Dokumentarwerk von Hubert Speckner „Zwischen Porze und Roßkarspitz…“ im vergangenen Jahr veröffentlicht.

Speckner und Gehler sind zu dem einhelligen Schluss gekommen sind, dass die seinerzeitige offizielle italienische Darstellung im Kern falsch ist. Die in einem Abwesenheitsverfahren nach der alten faschistischen Strafprozessordnung zu lebenslangen Haftstrafen verurteilten angeblichen Attentäter konnten demnach nicht die Täter gewesen sein.  Das tatsächliche Geschehen könnte laut Oberst Speckner aufgedeckt werden, wenn Rom die diesbezüglichen geheimdienstlichen Akten ebenso zugänglich machen würde, wie dies die Österreicher getan haben.

Bis heute ist das offizielle Italien dazu aber nicht bereit, obwohl die Ehrfurcht vor dem tragischen Schicksal der damals ums Leben Gekommenen dazu verpflichten sollte. So polemisierte auch der Gedenkredner, Senator Giovanni Piccoli von der „Forza Italia“, lediglich gegen das Nichterscheinen offizieller Vertreter der Provinz Bozen auf der Feier. Die Tageszeitung „Alto Adige“ veröffentlichte natürlich diesen Protest.

In der Südtiroler Landesregierung ist man sich aber offenbar bewusst, dass die Frage der Täterschaft ungeklärt ist und ist wohl deshalb auch fern geblieben.

Das offizielle Italien hält an der alten Darstellung fest. Dieselbe Haltung zeigt Rom auch bis heute in Bezug auf die Folterungen der Sechzigerjahre in den Carabinieri-Kasernen. Diese werden entweder geleugnet oder mit Schweigen übergangen. Bis heute wird auch nicht eingestanden, dass der Mord an dem Freiheitskämpfer Luis Amplatz im Jahre 1964 ein geheimdienstlicher Auftragsmord gewesen ist. Einsicht und Besserung sind nach den bisherigen Erfahrungen leider nicht zu erwarten.

Roland Lang
Obmann des „Südtiroler Heimatbundes“ (SHB)

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