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Zweifelhafter „Sieg“ wichtiger als 1200 Jahre Kirchengeschichte

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Vor 50 Jahren wurde Tirol auch kirchlich getrennt.

Mit der Bulle „Quo aptius“ vom 6. August 1964 hat Papst Paul VI. den sogenannten deutschen Anteil der Erzdiözese Trient abgetrennt und der Diözese Brixen zugewiesen, die damit zur Diözese Bozen-Brixen wurde. Das ist einerseits Grund zur Freude, weil ganz Südtirol in einer Diözese vereint wurde, aber diese Freude wurde und wird durch arge Wermutstropfen getrübt, die anlässlich dieses Jubiläums auch erwähnt werden müssen.

Mit der Neuordnung der Diözesangrenzen wurden die Dekanate Cortina und Buchenstein, die seit jeher zu Brixen gehört hatten, abgetrennt und der Diözese Belluno zugeordnet. Der Schmerz darüber war so groß, dass die treuen Cortineser noch für lange Zeit Busse mieteten und die Sonntagsmesse in Toblach besuchten, um in „ihrer“ Diözese sein zu dürfen.

Noch tragischer ist, dass mit der Neuordnung der Diözesangrenzen die Teilung Tirols durch die Grenze am Brenner auch kirchlich anerkannt wurde. Die Diözese Brixen hatte auch den Großteil Nord- und Osttirols sowie Vorarlberg umfasst. Als Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg zu Italien kam, wollte der Heilige Stuhl nicht durch eine Änderung der Diözesangrenzen den Eindruck erwecken, dass er die Teilung Tirols anerkenne. Daher wurde der Generalvikar von Vorarlberg, der Brixner Sigismund Waitz, am 9. April 1921 zum Apostolischen Administrator des österreichisch gebliebenen Teils der Diözese Brixen ernannt. Am 25. April 1925 wurde daraus die Administratur Innsbruck-Feldkirch, die immer noch mit Brixen verbunden war. 1964 entstand aber daraus eine eigene Diözese, die wieder zur Kirchenprovinz Salzburg kam, während Brixen der Erzdiözese Trient unterstellt wurde.

Auch die Abtrennung der Diözese Brixen von Salzburg ist ein sehr trauriges Kapitel. Immerhin hat die Diözese Säben/Brixen seit dem Jahr 798 zur Kirchenprovinz Salzburg gehört. Damit hatte Papst Leo III. damals auf Bitten des Frankenkönigs Karl des Großen das gesamte bajuwarische Stammesgebiet, zu dem eben auch Tirol gehörte, in einer Kirchenprovinz zusammengefasst. Da die Diözese Brixen nach dem Ersten Weltkrieg von ihrem Metropolitansitz Salzburg abgeschnitten war, der Heilige Stuhl sie aber noch nicht einem italienischen Metropolitanbezirk eingliedern wollte, wurde die Diözese am 25. April 1921 direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt.

Mit der Neuordnung von 1964 ist auch die Abtrennung von der Kirchenprovinz Salzburg endgültig geworden, Brixen wurde Trient unterstellt. Ein zweifelhafter „Sieg“ nach einem imperialistischen Aggressionskrieg war also wichtiger geworden als über 1200 Jahre Kirchengeschichte, so Hauptausschußmitglied Hartmuth Staffler.

Hartmuth Staffler
Hauptausschußmitglied und Bezirkssprecher des Eisacktales
der Bewegung SÜD-TIROLER FREIHEIT

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Katalanischen Mut zum Vorbild nehmen!
Deutsche Beipackzettel: Wie ist die Situation wirklich?

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