Der Süd-Tirol-Unterausschuss im österreichischen Nationalrat hat eine negative Empfehlung zum Ansinnen einer doppelten Staatsbürgerschaft für die Süd-Tiroler abgegeben. Dabei sind die Grünen einmal mehr mit Aussagen aufgefallen, die so nicht haltbar sind und von Unkenntnis zeugen. Die Behauptung, eine doppelte Staatsbürgerschaft würde „Gräben aufreißen“, hält dem Realitätscheck nicht stand. Im Gegenteil!
Georg Willi, Nationalrat von den Nord-Tiroler Grünen, meint zu wissen: „Eine entscheidende Überlegung ist […], dass die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft zu einer Spaltung der Südtiroler Gesellschaft führen würde.“
Ein Blick nach Europa zeigt, dass dem absolut nicht so ist. Schon jetzt ermöglichen 26 von 28 EU-Mitgliedsstaaten doppelte Staatsbürgerschaften in der einen oder anderen Form. Von den Italienern in Kroatien, über die Schweden in Åland bis hin zu den Österreichern in Dreizehnlinden (Brasilien) gibt es unzählige Beispiele in Europa und der Welt für zweite Staatbürgerschaften. Dänemark ermöglichte erst letzten Sommer seiner deutschen Minderheit die zweite Staatsbürgerschaft, obwohl dies laut Grünen ja antieuropäisch sei und die Gesellschaft spalte. Sogar den deutschen Schlesiern in Polen wurde der zweite Pass ermöglicht. Wer die leid- und wechselvolle Geschichte zwischen Deutschland und Polen, gerade im zwanzigsten Jahrhundert, kennt, kann sich ausmalen, was das bedeutet.
Deshalb stellen sich unweigerlich Fragen: Haben die Grünen so wenig Vertrauen in unsere Gesellschaft? Glauben sie, dass unsere Gesellschaft weniger reif ist, als die in vielen anderen EU-Staaten?
Eine zweite Staatsbürgerschaft würde keine Spaltung der Gesellschaft bedeuten, sondern jenen, denen die italienische Staatsbürgerschaft aufgezwungen wurde, die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, wo sie sich zugehörig fühlen. Bisher haben sie dieses hohe Gut der Wahlfreiheit nicht!
Stefan Zelger,
Mitglied der Landesleitung und Fraktionssekretär der Süd-Tiroler Freiheit