Folterbriefe - Teil 6

„Mit Zigarette Geschlechtsteil verbrannt“ – Der Brief von Josef Anegg

Allgemein, Schlagzeilen

60 Jahre Feuernacht: Die Süd-Tiroler Freiheit veröffentlicht anlässlich dieses Jubiläums ausgewählte Briefe von Freiheitskämpfern, die in den Kasernen der Carabinieri schwer gefoltert wurden.

In den Briefen schilderten die Freiheitskämpfer die brutalen Misshandlungen, die sie erleiden mussten. Sepp Mitterhofer, selbst schwer misshandelt, sagte einst: „Wenn man diese Briefe liest, so gewinnt man den Eindruck, man blättere in einem Drehbuch eines Horrorfilms. Das wäre weiter nicht schlimm. In diesem Fall ist es allerdings tragisch, weil es kein Roman ist, sondern nackte Wirklichkeit und es uns Südtiroler betrifft.“ Zwei Süd-Tiroler, Franz Höfler und Anton Gostner, starben an den Folgen der Folterungen. Viele trugen bleibende körperliche und seelische Narben davon. Die Folterknechte wurden für ihre Taten ausgezeichnet und befördert! Bis heute hat sich Italien für diese schweren Verbrechen nicht entschuldigt!

Die ausgewählten Briefe stammen aus dem Buch „Für die Heimat kein Opfer zu schwer / Folter – Tod – Erniedrigung: Südtirol 1961 -1969“. Das Buch von Dr. Helmut Golowitsch mit Hintergrundinformationen und vielen weiteren Folterbriefen kann im Webshop der Süd-Tiroler Freiheit erworben werden.

Der Folterbrief wurde von dem damals 30 Jahre alte Schuhmacher Josef Anegg aus Kurtatsch geschrieben.

Ich Josef Anegg des Heinrich und der Tiecher Paula geboren am 22. 6. 1932 in Kurtatsch, bestätigt die Mishandlungen, die an mir in der Carabinieri Kaserne von Kurtatsch am 17. 7. und 18. 7. 1961 angetan worden sind.
Ich bin am 17.7.1961 ungefähr um 22 h von den Carabinieri in die Caserne von Kurtatsch eingeliefert worden. Sie fragten mich ob ich weiß warum ich hier bin; ich sagte nein, das weiß ich nicht. Da bekam ich Ohrfeigen und mehrere Fausthiebe. Sie fragten auch ob ich weiß, wer immer dieße Sprengungen macht. : Da sagte ich die Volle Wahrheit, daß ich bestimmt nichts weiß. Sie glaubten mir es nicht und da bekam ich viele Ohrfeigen, Fausthiebe in den Magen, Rippen, Geschlechtsteil. Den linken Arm mußte ich ungefähr 6 Stunden hochhalten. Da mußte ich mich nackt auszien nur die Schuhe durfte ich behalten.
Mit einer brennenden Cigarette haben sie mir die Lippen, Brustwarzen, Geschlechtsteil und die Hände verbrannt. Mit einen Streichholz haben sie am Geschlechtsteil Haare verbrannt und mit einer Flachzange die Haare ausgerißen. Mit der gleichen Zange Achsel und Brusthaare ausgerißen. Mit der gleichen Zange links und rechts bei den Rippen auf, und niedergefahren.
Ich mußte mich pücken, da wollte einer von den Carabinieri von hinten ein Geschlechtsverkehr machen, aber das taten sie nicht, da haben sie mit der Zange Haare ausgerißen.
Drei mahl haben sie mir in den Mund gespuckt und ich mußte alles schlucken und dann das ganze Gesicht vollgespuckt, ich mußte es so trocknen laßen. Mit der (ein Wort unleserlich) wurde mir auf den Wadenbein gestoßen, und auf (es folgt ein unleserlich durchgestrichenes Wort).
Mit der Flachzange an den Händen gezwickt, beim letzten Glied des Mittelfingers wurde die Nerve gequetscht (rechte Hand).
Mit der Pistolentasche auf den Kopf geschlagen, bis sie entzwei gesprungen ist. Mit dem Magazin der Maschinenpistole auf den Kopf geschlagen, daß ich niedergesunken bin. Mit einer Eisenstange in dem Mund (einer 50 cm lang) und Hände hoch mußte ich die Kniebeugung machen bis ich umviel.
Die Schuhe mußte ich ausziehen, da sind sie mir auf die Zehen getreten. Mit einem Teppichklopfer auf den Rücken und Händen geschlagen. Den Küchen Besen haben sie in Dreck geduscht und dann mir in den Mund gestrichen, mit denselben Besen auf den Händen, Ohren und Kopf geschlagen. Mit einer Kette wurde ich an das Stiegengeländer gebunden und mit den Fingern gezwickt worden.
Diese Aufzeichnungen entsprechen die Volle Wahrheit. In Neumarkt und Trient bin ich von einem Arzt untersucht worden.
Ich bin von 17.7.61, 22 h Abends bis 4 h Früh 18.7.61,. mishandelt worden.
Der Mishandelte – Josef Anegg –
Trient, am 11. 10. 1961
Bin auch mit einer Nahdel an die Brust gestochen worden. (Flicknahdel)

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„Vom Kopf bis zum Unterleib“ – Der Brief von Viktor Thaler
„Mit Zange Finger gequetscht“ – Der Brief von Hermann Anrather

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