Südtiroler Heimatbund:

Tätigkeitsbericht für das Jahr 2021 – Freude und Trauer

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Große Freude über Begnadigung von Heinrich Oberleiter
Trotz Pandemie aktiv und mehrere Vorhaben in die Tat umgesetzt.

Mit großer Freude begrüßte am 9. Dezember 2021 der Südtiroler Heimatbund (SHB) die Begnadigung des Südtiroler Freiheitskämpfers Heinrich Oberleiter durch den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella. Um die Begnadigung hatten die Kinder des Erkrankten angesucht.

Es wäre auch an der Zeit, dass Italien in Bezug auf die übrigen Südtiroler Freiheitskämpfer einen versöhnlichen Schlussstrich unter ein tragisches Geschehen zieht, in welchem sich die römische Politik nicht mit Ruhm bedeckt hat. Dem italienischen Staatspräsidenten ist zu danken, er ist aber auch gebeten, eine abschließende umfassende Versöhnungshandlung zu setzen.

Wie für viele andere Verbände war auch das Jahr 2021 durch die Pandemie mit vielen Einschränkungen verbunden. Trotzdem konnten die beiden geplanten größeren Gedenken, jenes an sechzig Jahre Feuernacht sowie die Gedenkfeier für Sepp Kerschbaumer in würdigen Rahmen veranstaltet werden.

Mehrere Begräbnisse überschatteten das Jahr 2021: So mussten der SHB sich von seinem langjährigen Obmann, Ehrenobmann und Burggräfler Bezirksobmann Sepp Mitterhofer für immer verabschieden. Sepp war Zeit seines Lebens einer der treibenden Kräfte der Selbstbestimmung gewesen. Seinen Einsatz für die Heimat in den sechziger Jahren bezahlte er mit schweren Folterungen und Jahren Haft. Ungebrochen und weiterhin voller Idealismus kämpfte er nach dieser schweren Zeit weiter für die Freiheit unserer Heimat.

Sein Buch, „… Es blieb kein anderer Weg…“ welches er zusammen mit Günther Obwegs und anderen politischen Häftlingen schrieb, wird besonders ihm zu Ehren an seinem neunzigsten Geburtstag am 22. Februar in dritter Auflage erscheinen.

Ihren Weg in die ewige Heimat angetreten haben auch der Eppaner Rudl Kofler, der zu den engsten Mitstreitern des Freiheitskämpfers Luis Amplatz gehörte und der in den Carabinieristationen von Kurtatsch und Neumarkt schwer gefolterte Josef Anegg.  Alois Dissertori aus Kaltern, Vater zweier Kinder, war nach der „Feuernacht“ am 18. Juli 1961 verhaftet worden. Auf seinem Anwesen fanden die Carabinieri laut den späteren Gerichtsunterlagen Sprengstoff und Zündkapseln. Im Verhör gestand Dissertori, dass er die Sprengmittel für seinen Freund Sepp Kerschbaumer versteckt und aufbewahrt habe.

Verstorben ist auch der aus der aus St. Felix am Nonsberg stammende ehemalige Südtiroler Freiheitskämpfer Karl Ausserer. Er wurde auf dem Friedhof von St. Nikolaus in Innsbruck zu Grabe getragen. Der im Jahre 1962 nach Österreich Geflüchtete war ein Kampfgefährte von Georg Klotz gewesen und war in Mailand in Abwesenheit zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Er verbrachte sein weiteres Leben bis zu seinem Tod in Innsbruck außerhalb der Gemeinschaft der Freiheitskämpfer.

Bei 4 großen Gedenkfeiern des Jahres 2021 war der SHB aktiv als Mitorganisator beteiligt:

Holt sie endlich heim!

Anlässlich „60 Jahre Feuernacht“ veranstaltete der Südtiroler Schützenbund in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Heimatbund am Samstag, den 12. Juni 2021 eine Gedenkfeier in Frangart. Trotz Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen nahmen über 200 Schützen und Marketenderinnen, sowie zahlreiche Zivilisten – darunter sehr viele Jugendliche – an dieser Gedenkfeier teil.

Der Abend begann mit der Frontabschreitung mit den Höchstanwesenden der beiden Bünde und Ortsvertreterin Monika Hofer Larcher. Anschließend begrüßte Roland Lang (SHB) alle Anwesenden die sich vor dem Sepp-Kerschbaumer-Gedenkstein in Frangart aufgestellt haben.
„Heute gedenken wir der beispiellosen Frauen und Männer, die ihr Leben selbstlos in den Dienst der Heimat stellten und für den Erhalt der Tiroler Volksgruppe in ihrer Eigenart ihre Freiheit, Gesundheit und sogar das Leben hingaben.“ betonte Lang bei der Begrüßung.
Es folgte der Wortgottesdienst, der von Diakon Hermann Pirpamer zelebriert wurde.

Historikerin Frau Dr. Margareth Lun referierte über „Die Frauen und Kinder der Freiheitskämpfer“. Sie erzählte über ihre zahlreichen Begegnungen und Gespräche über den Freiheitskampf mit Freiheitskämpfern und deren Frauen bzw. Witwen. Die Gedenkrede „60 Jahre Feuernacht – brennt das Feuer in uns noch?“ hielt Ehrenlandeskommandant Elmar Thaler.

Nach den Gedenkreden folgte eine würdige Heldenehrung und die Kranzniederlegung. Die Ehrenkompanie „Sepp Kerschbaumer“ Eppan feuerte eine Ehrensalve ab. Im Anschluss stimmte die Musikkapelle Frangart das Lied des guten Kameraden und die Landeshymne ein.

Das Gedenken „60 Jahre Feuernacht“ wurde von einer Plakataktion des Südtiroler Heimatbundes zusammen mit dem Welsch- und Südtiroler Schützenbund begleitet.

Buch „Feuernacht- Die Notwehr eines Volkes“ bzw. „La notte dei fuochi, La legittima difesa di un popolo”. In Südtirol wurden in der Herz-Jesu-Nacht des 11. auf den 12. Juni 1961 an die 40 Hochspannungsmasten gesprengt oder schwer beschädigt. Der „Donnerschlag“ der Feuernacht vereitelte das Vorhaben eines geplanten Ausbürgerungsgesetzes – eines wahrhaft gigantischen Anschlages auf die deutsche und ladinische Volksgruppe – und zwang die römische Regierung, in Verhandlungen mit der SVP eine politische Lösung zu suchen.

Roland Lang hat das damalige dramatische Geschehen in mehreren Presseaussendungen einer breiten Öffentlichkeit wieder in Erinnerung gerufen und eine Zusammenfassung nun in Buchform veröffentlicht. Das Werk ist reich bebildert und mit Dokumenten in Faksimile-Wiedergabe ausgestattet, die von einer historischen Arbeitsgruppe zusammengestellt wurde. Aufgrund zahlreicher Anfragen liegt das Buch auch in italienischer Sprache vor.

Gedenkfeier für das zweite Opfer des Bozner Blutsonntages am 11. Juli 2021.

Mit einer Messe im Bozner Dom und einer Kranz-Niederlegung am Peter Mayr-Denkmal erinnerte der Südtiroler Heimatbund und Schützenabordnungen aus dem ganzen Land, die Kompanien Bozen und Gries sowie eine Schützenabordnung aus dem Fleimstal an den beim Messeumzug 1921 von den Faschisten schwer verletzten und dann verstorbenen Giovanni Battista Daprà.

Gedenkfeier KZ Campo Isarco in Blumau am 24.10.2021

Stellvertretend für alle konnte Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes und Mitbegründer des Gedenkkomitees, den Vizebürgermeister der Stadt Bozen Luis Walcher, die frühere Landtagsabgeordneten Eva Klotz und den Ehrenobmann der Freiheitlichen, Pius Leitner, den früheren Präsidenten des Kaufleuteverbandes, Werner Schmid, die Galionsfigur der Eisacktaler Heimatverbände Josef Kaser, einige Vertreter des Kulturverbandes Noi Tirolesi/ Wir Tiroler sowie eine katalanische Betreuerin der in Spanien verfolgten katalanischen Freiheitskämpfer begrüßen. Die Gedenkfeier wurde von der Musikkapelle Steinegg musikalisch umrahmt.

LH a. D. Luis Durnwalder: Menschenfeindliche Relikte gehören weg! Das sagte Altlandeshauptmann Dr. Luis Durnwalder bei der vom Gedenkkomitee KZ Campo Isarco am Lager-Gedenkstein in Blumau abgehaltenen Gedenkfeier. Er habe schon als Landeshauptmann den Vorschlag gemacht, das faschistische Alpinidenkmal in Bruneck auf dem Kapuzinerplatz, das den italienischen Kolonialkrieg in Afrika verherrlicht, in einen Kasernenhof zu verbannen. Er verwies auf die Verbrechen des Faschismus in Afrika, wofür zynischerweise und geschichtsverfälschend die „Divisione Pusteria“ mit einem Denkmal geehrt wurde. Zwangsweise einberufene junge Pusterer gab es in der „Pusteria“ wenige, dafür kamen zahlreiche faschistische Scharfschützen des KZ Campo Isarco aus den Reihen dieser Einheit.

Die Welschtiroler Heimatforscherin Manuela Sartori rief die Jugend auf in den Schulen das Studium der Lokalgeschichte zu fördern. Heute noch zeigen sich die Folgen dieser schrecklichen Zeiten, auch heute noch müssen wir uns mit Teilen einer Vergangenheit auseinandersetzen, die immer wieder auftaucht. Und nur wenn wir die Geschichte und die Geschichten kennen, können wir sie zurückweisen und überwinden. „Nur wenn wir die kleine Geschichte kennen, werden wir die große Geschichte besser verstehen, dann werden wir wieder zu unseren Tiroler Wurzel finden“ so Manuela Sartori.

Alljährliche Gedenkfeier für Sepp Kerschbaumer und seine Mitstreiter in St. Pauls.

So wie jedes Jahr veranstaltete der SHB zusammen mit dem Südtiroler Schützenbund die Gedenkfeier am 8. Dezember 2021.

Die Gedenkrede hielt Altmandatarin Dr. Eva Klotz. Sie erklärte: „Es genügt nicht, über die zunehmend selbstzerstörerische Verleugnung der Tiroler Identität zu klagen. Wir müssen mit allen uns zur Verfügung stehenden modernen demokratischen Mitteln für unsere Heimat und all das, was sie so einzigartig macht, kämpfen! Wenn nicht die patriotischen Kräfte wie die Schützen, wer dann!“ so die Tochter des Freiheitskämpfers Jörg Klotz.

Toponomastik Umfrage des SHB im Juni 2021:
Mehrheit der Italiener gegen faschistische Ortsnamendekrete und für „Sudtirolo“.

Das italienische Meinungsforschungsinstitut „Demetra“ stellte im Zeitraum vom 21. bis 29. Juni 2021 zwei Fragen an insgesamt 1010 in Italien, doch außerhalb der Region Trentino-Südtirol lebender Personen.

Die Antworten ergaben ein klares Bild. Erstens wären 65 Prozent der Befragten mit der Abschaffung der faschistischen Ortsnamendekrete und der folglich amtlichen Wiederherstellung der historisch fundierten Ortsnamen einverstanden. Ebenso einverstanden wären, zweitens, 60 Prozent mit dem amtlichen Gebrauch von „Sudtirolo“ anstelle von „Alto Adige“.

Der Südtiroler Heimatbund hat die Broschüre den politischen Verantwortlichen und den Tourismusverbänden zukommen lassen. Die Broschüre möge den Entscheidungsträgern als Argumentationshilfe dienen und sie zur Überzeugung gelangen lassen, dass es auch im Bereich der Ortsnamengebung auf Authentizität und nicht auf Ausgesetztheit ankommt, und dass dies von den Italienern mehrheitlich begrüßt wird.

Verschiedene kleinere Aktionen, wie im Februar das Gedenken an alle Foibe Opfer, mehrere Aussendungen, so zum Tag der Menschenrechte, zu deutschen Beipackzetteln bei Medizinen, zum Gedenken an den Märtyrer Josef Mayr-Nusser und an den von Alpini erschossenen Peter Wieland wurden verschickt. Blumen wurden am Geschw.Scholl Platz für die mutigen Jugendlichen der weißen Rose niedergelegt. Ebenso wurde am Andreas Hofer Tag eine Spende für die Unterstützung der politischen katalanischen Häftlinge überwiesen. Unterstützt wurde als Weihnachtsaktion auch das Dormizil für Obdachlose in Bozen.

Dies ist nur ein Auszug aus der Tätigkeit des SHB im Jahre 2021. Ein Dank gebührt allen, die auch dieses Jahr den Südtiroler Heimatbund aktiv in Wort und Tat unterstützt haben, wobei ich besonders Dr. Margareth Lun, den Buchautor Günther Rauch und den Südtiroler Schützenbund nennen möchte. Dazu gehören aber auch meine Stellvertreter Meinrad Berger und Luis Pixner sowie die Mitglieder des Bundesausschusses, aber auch viele andere, die mit Argumenten, Hinweisen und nicht zuletzt Spenden unseren Einsatz für die Heimat erst möglich gemacht haben. Vergeltsgott!

Für den Südtiroler Heimatbund

Roland Lang
Obmann

Mehrheit im Landtag für Impfpflicht und gegen Gratis-PCR-Gurgeltests
Vereine unter italienischer Aufsicht ─ Anhörung im Landtag.

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