Lasst sie zurück in ihre Heimat!

Amnestie für Freiheitskämpfer jetzt!

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Im Jahr 2015 nahm der Süd-Tiroler Landtag mit großer Mehrheit einen Antrag zur Begnadigung der Süd-Tiroler Freiheitskämpfer an. Neue Erkenntnisse im Fall Tiralongo und der Porzescharte hatten gezeigt, dass die Freiheitskämpfer zu Unrecht beschuldigt worden waren. Doch passiert ist seitdem nicht viel. Aus diesem Grund hat die Süd-Tiroler Freiheit nun erneut einen Antrag im Landtag eingereicht. Mit diesem will sie die Amnestie der Süd-Tiroler Freiheitskämpfer erwirken und deren Rückkehr in die Heimat ermöglichen.

Die Begnadigung von Heinrich Oberleiter im Dezember 2021 durch den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella war ein bemerkenswerter Akt der Menschlichkeit. Der Präsident stellte fest, dass Oberleiter – und damit indirekt die vier „Pusterer Buibm“ – für keinen Mord verantwortlich war und niemanden verletzt hatte.

Vor allem italienische Medien und Rechtspolitiker rechnen den Pusterern immer noch die Ermordung des Carabiniere Vittorio Tiralongo an. Er wurde 1964 hinterhältig erschossen. Die vier Pusterer Freiheitskämpfer haben stets bestritten, etwas mit dem Mord zu tun gehabt zu haben. Auch der ehemalige Vorgesetzte von Tiralongo glaubte an ihre Unschuld. Doch Beweise für einen DNA-Abgleich, etwa ein am Tatort vorgefundenes Taschentuch, waren plötzlich verschwunden. Mit der Feststellung des höchsten Repräsentanten der italienischen Republik fiel nun die Täterthese endgültig in sich zusammen.

Trotz der Begnadigung im besagten Einzelfall und trotz weiterer neuer Erkenntnisse auch in anderen Fällen hat Italien noch keine weiteren Maßnahmen zur Begnadigung oder Amnestie auch der übrigen noch lebenden Freiheitskämpfer ergriffen. Aus diesem Grund reicht die Süd-Tiroler Freiheit erneut einen Antrag ein. Mit diesem soll sich der Süd-Tiroler Landtag für eine umgehende Amnestie der verbliebenen Freiheitskämpfer aussprechen. Zudem soll der Landtag den italienischen Justizminister und den italienischen Staatspräsidenten auffordern, die ausstehende Amnestie der Freiheitskämpfer der 1960er Jahre unverzüglich in Angriff zu nehmen, damit diese in ihre Heimat und zu ihren Familien zurückkehren können.

Die Erstunterzeichnerin des Antrages, Myriam Atz Tammerle, spricht im Zusammenhang mit der geforderten Maßnahme von einem „Akt der politischen Willensbekundung und der Wiedergutmachung eines menschlichen Unrechts, der längst überfällig wäre“. Es wäre aber auch, so Tammerle weiter, ein „Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber jenen Menschen, die persönliche Nachteile in Kauf nahmen und denen für die Heimat kein Opfer zu schwer war.“

Und einen weiteren wichtigen Punkt will die Süd-Tiroler Freiheit festhalten: „Den Freiheitskämpfern konnte kein einziger Mord, nicht nur bezüglich des Vorfalls auf der Porzescharte, sondern auch bezüglich der Vorfälle auf dem Pfitscher-Joch-Haus und der Steinalm nachgewiesen werden.“ Diese Vorfälle, bei denen insgesamt acht Menschenleben zu beklagen waren, haben, so die Landtagsabgeordneten, andere Hintergründe, was mittlerweile auch wissenschaftlich erwiesen sei. Die Süd-Tiroler Freiheit verweist dabei auf zahlreiche Publikationen, insbesondere des österreichischen Militärhistorikers Dr. Hubert Speckner. Eine dieser Publikationen trägt den Titel „Pfitscherjoch, Steinalm, Porzescharte. Die drei ‚merkwürdigen Vorfälle‘ des Höhepunktes der Bombenjahre in den Jahren 1966 und 1967“. Die Süd-Tiroler Freiheit wird diese Publikation, die auch in italienischer Fassung vorliegt, allen Süd-Tirolern Landtagsabgeordneten überreichen – mit dem Ziel, „dass die Kollegen im Landtag auf den neuesten Stand der Forschung gebracht werden und sie sich bewusst werden, dass die Mordschuld der Freiheitskämpfer, an der Italien bis heute stur festhält, sich in Luft aufgelöst hat“.

Aktive Unterstützung für ihre Forderung nach der Amnestie der Freiheitskämpfer bekommt die Süd-Tiroler Freiheit auch von der FPÖ Tirol. Die Tiroler Landtagsabgeordnete Gudrun Kofler wird im Tiroler Landtag einen inhaltlich ähnlichen Antrag einreichen. Kofler macht deutlich: Bei den zu amnestierenden Freiheitskämpfern handelt es sich nicht ausschließlich um Süd-Tiroler Freiheitskämpfer, sondern um Tiroler Freiheitskämpfer, die für die Einheit Tirols kämpften. Dies sind nur zwei Gründe, weshalb wir gut beraten sind, wenn alle Tiroler Landesteile mit einer Stimme sprechen.“

Süd-Tiroler Freiheit
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Amnestie der Freiheitskämpfer: „Landtag soll sich ein Herz fassen“
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