Die Konvention als "Halbe Sache":

Ineffiziente Abläufe und unnötige Bürokratie im Gesundheitssystem

Allgemein, Schlagzeilen
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Die Konvention als "Halbe Sache":

Ineffiziente Abläufe und unnötige Bürokratie im Gesundheitssystem

Der Süd-Tiroler Sanitätsbetrieb steht erneut in der Kritik: Anstatt strukturelle Engpässe nachhaltig zu lösen, werden Aufgaben unvollständig und oberflächlich umgesetzt. Entscheidungen werden zwar formal getroffen, aber nicht konsequent zu Ende gedacht. Maßnahmen greifen nur teilweise, Verantwortlichkeiten bleiben auf halber Strecke hängen und die praktische Umsetzung führt zu Umwegen und neuen Problemen.

Medizinische Leistungen, die öffentlich nicht mehr erbracht werden können, werden systematisch an private Kliniken ausgelagert und im Rahmen sogenannter „Konventionen“ an private Träger vergeben. Dieses System, wie es aktuell läuft, führt in der Praxis zu Ineffizienz, Doppelgleisigkeiten und wachsender Unzufriedenheit bei Patienten, weil die Defizite des Sanitätssystems über die Konventionen nur lückenhaft und unzureichend kompensiert werden.

Im Bereich der Orthopädie zeigt sich die Problematik deutlich: private, konventionierte Einrichtungen dürfen häufig lediglich Erstvisiten durchführen. Rezepte und Verschreibungen für weiterführende Maßnahmen – etwa Diagnostik, Therapien oder Medikamente – dürfen sie jedoch nicht ausstellen. Die Patienten sind daher gezwungen, im Anschluss ihren Hausarzt aufzusuchen, damit dieser die entsprechenden Verordnungen auf Empfehlung des Orthopäden ausstellt. Hausärztinnen und Hausärzte werden dadurch zu reinen „Zettelschreibern“ degradiert.

Noch gravierender wird die Situation, wenn im Rahmen einer konventionierten Erstvisite festgestellt wird, dass eine Operation notwendig ist, der private Träger diesen Eingriff jedoch nicht durchführen darf, weil er nicht auf der Liste der koventionierten Leistungen steht. In solchen Fällen war die Erstvisite faktisch umsonst: Die Betroffenen müssen sich erneut um eine Visite im öffentlichen Krankenhaus bemühen, um schließlich dort operiert zu werden. Wertvolle Zeit geht verloren, Wartezeiten verlängern sich weiter, und der bürokratische Aufwand steigt.

Dieses System schickt Patienten im Kreis, schafft zusätzliche Verwaltungsschritte und produziert vermeidbare Kosten. Nicht selten reagieren Betroffene enttäuscht oder verärgert, wenn sie feststellen, dass sie trotz bereits erfolgter fachärztlicher Untersuchung wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren müssen. Dr. Andreas Tutzer, Orthopäde in Bozen und Mitglied im Hauptausschuss der Süd-Tiroler Freiheit, führt konventionierte orthopädische Leistungen durch. Er sieht sich ständig damit konfrontiert, Patienten nicht vollständig betreuen zu können. Nicht selten, so beklagt er, wären Patienten den Tränen nahe oder würden fassungslos den Kopf schütteln, wenn sie mit dieser Situation konfrontiert werden.

Anstatt durchgängige Behandlungspfade zu schaffen, entsteht ein fragmentiertes System mit eingeschränkten Kompetenzen, das weder patientenorientiert noch effizient ist. Es braucht dringend strukturelle Reformen, die den Fokus auf eine kontinuierliche, unbürokratische und qualitativ hochwertige Versorgung legen.

Dr. Andreas Tutzer, Mitglied im Hauptausschuss der Süd-Tiroler Freiheit

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