Die jüngsten Diskussionen zu Aspekten der Biografie von Luis Trenker (1892–1990) und seine Rolle im Nationalsozialismus erfordern eine differenzierte Betrachtung. Es gilt, sein künstlerisches Lebenswerk im Kontext der damaligen politischen Zwänge neu zu bewerten.
Luis Trenker hat als Regisseur und Schauspieler das Bild Süd-Tirols weltweit geprägt. Klassiker wie „Der verlorene Sohn“ machten die Dolomiten international bekannt und legten einen Grundstein für das heutige Ansehen der Region als Zentrum alpiner Tradition.
Die von Historikern wie Hannes Obermair thematisierte NSDAP-Mitgliedschaft und ein gewisser Opportunismus müssen vor dem Hintergrund einer Diktatur gelesen werden. Filmprojekte dieser Größenordnung waren damals oft nur mit staatlichen Mitteln realisierbar. Dass Trenker zeitweise mit Arbeitsverboten belegt wurde, verdeutlicht jedoch sein spannungsreiches Verhältnis zum Regime und spricht gegen eine vollständige ideologische Vereinnahmung.
Statt einer einseitigen Verurteilung plädieren wir für einen sachlichen Umgang mit seinem Erbe. Trenker bleibt eine zentrale Identifikationsfigur der Süd-Tiroler Geschichte, deren Wirken sowohl die Verbundenheit zur Heimat als auch die Widersprüche des 20. Jahrhunderts widerspiegelt.
Armin Mores, Bezirksleitung der Süd-Tiroler Freiheit im Burggrafenamt


