Ehrenbürgerschaften stellen die höchste Auszeichnung dar, die eine Gemeinde verleihen kann. Sie sind Ausdruck besonderer Wertschätzung und setzen voraus, dass das Wirken der geehrten Persönlichkeit mit den grundlegenden Werten einer demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft vereinbar ist.
Gennaro Sora war Offizier im Dienst des faschistischen Regimes unter Benito Mussolini und im Zuge des Zweiter Italienisch-Äthiopischer Krieg sowie der anschließenden Besatzungszeit in Äthiopien eingesetzt. In dieser Funktion war er an militärischen Repressionsmaßnahmen gegen die einheimische Bevölkerung beteiligt.
Besonders gravierend ist seine Rolle im Zusammenhang mit dem sogenannten Massaker von Zeret im Jahr 1939. Bei dieser Operation wurden mehrere hundert Menschen – darunter Frauen, Kinder und ältere Personen – in einer Höhle eingeschlossen und gezielt angegriffen. Die eingesetzten italienischen Truppen gingen dabei mit äußerster Brutalität vor:
• Einsatz von chemischen Kampfstoffen (Giftgas) gegen eingeschlossene Personen
• systematisches Aushungern und Einschließen von Zivilisten
• anschließende Tötung von Überlebenden, teils durch Erschießungen
Diese Vorgänge stellen nach heutigem Verständnis schwerste Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dar und sind als Kriegsverbrechen einzuordnen.
Darüber hinaus war Gennaro Sora Teil eines militärischen Systems, das gezielt auf Repression, kollektive Bestrafung und Abschreckung durch Gewalt gegenüber der Zivilbevölkerung setzte. Der Abessinienkrieg selbst war ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, der von systematischen Menschenrechtsverletzungen begleitet wurde.
Unabhängig von einer lokalen Verbindung ist entscheidend, dass die Ehrenbürgerschaft eine öffentliche Würdigung darstellt. Eine solche Ehrung ist im Falle von Gennaro Sora angesichts dieser historischen Verantwortung nicht vertretbar.
Zudem wurde auf Ebene des Regionalrat Trentino-Südtirol bereits mit deutlicher Mehrheit ein politisches Signal gesetzt, wonach derartige Ehrungen kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls aufzuheben sind.
Die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft ist daher ein notwendiger Schritt, um historische Verantwortung zu übernehmen und ein klares Zeichen gegen die Verherrlichung von Gewalt und Unrecht zu setzen.
Dies vorausgeschickt, beschließt der Gemeinderat:
Die Ehrenbürgerschaft von Gennaro Sora wird aberkannt.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Unterberger
Fraktionssprecher der Gemeinderatsfraktion
der Süd-Tiroler Freiheit in Brixen


