Einen Monat nach Einsturz des Gerichtspalastes in Bozen muss die Frage erlaubt sein, ob auch andere Justizgebäude die zur Zeit des Faschismus in Italien erbaut wurden, auf ihre Statik überprüft wurden. Denn wahrscheinlich wurden auch sie mit Stützpfeilern aus Ziegeln errichtet, so SHB-Obmann Roland Lang.
In Bozen wären beim Einsturz beinahe zu einem Unglück mit vielen Opfern gekommen, nur die frühe Uhrzeit des Einsturzes verhinderte Schlimmeres. Aber wie steht es mit der Sicherheit und Statik der anderen faschistischen Justizpaläste?
So wurde der Justizpalast Mailand (Palazzo di Giustizia di Milano) zwischen 1932 und 1940 nach den Entwürfen des faschistischen Stararchitekten Marcello Piacentini erbaut. Piacentini ist in Südtirol auch als Planer des sogenannten Siegesdenkmals kein Unbekannter. Bekannt wurde der Palast in Südtirol weil hier die Prozesse gegen Sepp Kerschbaumer und andere Freiheitskämpfer stattfanden.
In Palermo stammt der Justizpalast auch aus den 30er Jahren. Geplant wurde er von den Brüdern Rapisardi. Kriegsbedingt unterbrochen, zeigt er im typisch faschistischen Stil über eine riesige Freitreppe zu erreichen.
Ebenso stammen auch die Justizpaläste von Forlì und von Messina, geplant von Piacentini, aus der gleichen schwarzen Geschichtsperiode. Forlì als „Stadt des Duce“ (Mussolinis Geburtsort lag in der Provinz) musste natürlich auch mit einem monumentalen Justizpalast ausgestattet werden. Als Vorlage diente der Mailänder Justizpalast.
Alle diese Bauwerke zeichnen sich durch ihre Monumentalität und große, direkt einschüchternde Größe und riesigen Eingangsbereiche auf. Ein besonderes Merkmal sind auch die teuren und großzügigen Verkleidungen in Marmor und ähnlichen teuren Materialien. Dahinter wurde mit Ziegeln gebaut.
Monumental, rationalistisch und einschüchternd, aber vor allem schnell wurde damals gebaut. Nach dem Einsturz des Gerichtspalastes in Bozen täte Italien sicher gut daran, so SHB-Obmann Roland Lang, die Statik und Sicherheit auch der anderen unter dem Faschismus erbauten Paläste zu überprüfen. Denn nur durch einen glücklichen Umstand wurde der Justizpalast in Bozen nicht zu einem Massengrab!
Roland Lang
Obmann des Südtiroler Heimatbundes
