Am 9. September 1966 kamen bei einer Explosion in der Kaserne der Finanzpolizei auf der Steinalm die Finanzbeamten Herbert Volgger und Martino Cossu ums Leben. Leutnant Franco Petrucci erlag wenige Tage später seinen Verletzungen. Bis heute werden die Freiheitskämpfer Jörg Klotz, Richard Kofler, Alois Larch und Alois Rainer für die Explosion verantwortlich gemacht. Doch die vorliegenden Beweise zeichnen ein anderes Bild: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war die Explosion kein Anschlag, sondern ein Unfall. Die Süd-Tiroler Freiheit fordert deshalb, die damaligen Anschuldigungen endlich richtigzustellen und die beschuldigten Freiheitskämpfer moralisch zu rehabilitieren.
Der Militärhistoriker Dr. Hubert Speckner zeichnete in umfangreichen Studien minutiös nach, was sich am 9. September 1966 ereignete: ein Unfall, der verpackt als Anschlag bald den Süd-Tiroler Freiheitskämpfern in die Schuhe geschoben wurde. Gutachten und Experimente von Sprengstoffexperten, die erst vor einigen Jahren durchgeführt wurden, bestätigten die Unfallhypothese eindeutig.
Die Explosion vor 60 Jahren wurde sehr wahrscheinlich durch einen unbeabsichtigten Schuss ausgelöst. Das Projektil traf demnach eine Kiste mit 64 Handgranaten und brachte sie zur Explosion.
Dass ein solcher Unfall technisch möglich war, versuchte der österreichische Sachverständige Oberst Alois Massak bereits in den ersten Mailänder Prozessen nachzuweisen. Seine Gutachten trugen dazu bei, dass die Angeklagten zunächst freigesprochen wurden. Erst im Berufungsverfahren 1976 änderte sich die Bewertung. Massak war daran nicht mehr beteiligt.
Besonders brisant ist die Rolle des italienischen Hauptgutachters Teonesto Cerri. Jahre später wurde ihm nachgewiesen, im Auftrag italienischer Geheimdienste Beweismaterial unterschlagen und manipuliert zu haben. Damit sollten Anschläge Linksextremisten angelastet werden.
Auch weitere Erklärungen der italienischen Anklage lesen sich wie ein Abenteuerroman. Demnach sollen die Freiheitskämpfer die Sprengladung unbemerkt an mehreren Wachen und Wachhunden vorbei in die Kaserne geschmuggelt haben. Danach sollen sie – wieder an Hunden und Menschen vorbei – von dannen gezogen sein.
Das Märchen des blutrünstigen Anschlags ist bis heute die offizielle Lesart Italiens. Die Süd-Tiroler Freiheit fordert daher, die Freiheitskämpfer endlich zu rehabilitieren. Sie können sich heute nicht mehr selbst verteidigen. Umso mehr ist es eine Frage der historischen Gerechtigkeit, dass endlich die Wahrheit ausgesprochen wird.
Stefan Zelger, Büroleiter und Mitglied der Landesleitung der Süd-Tiroler Freiheit




