Abriß des Justizgebäudes abgelehnt

Selbst in Trümmern hält die SVP am Faschistenbau fest!

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Abriß des Justizgebäudes abgelehnt

Selbst in Trümmern hält die SVP am Faschistenbau fest!

Die Mehrheit im Süd-Tiroler Landtag hat eine klare Entscheidung getroffen: Der teilweise eingestürzte Justizpalast in Bozen soll nicht vollständig abgetragen und folglich auch nicht durch ein neues, modernes und entideologisiertes Justizgebäude ersetzt werden. Sogar die dem Justizgebäude anhaftende faschistische Symbolik soll gerettet werden. Damit beweist die Landesregierung unter Führung der Südtiroler Volkspartei einmal mehr, dass sie an der faschistischen Architektur selbst dann festhalten will, wenn diese bereits in Trümmern liegt.

Antrag der Süd-Tiroler Freiheit wurde abgelehnt.

Der Antrag der Süd-Tiroler Freiheit sah vor, die Voraussetzungen für einen vollständigen Abbruch zu schaffen, ein neues Justizgebäude nach modernen Anforderungen zu planen und die faschistischen Symbole des alten Gebäudes museal oder in einer eigenen Ausstellung historisch-kritisch aufzuarbeiten.

Kein neutrales Gebäude: Justitia blickt auf den Duce.

Der Justizpalast ist kein neutrales Gebäude, sondern ein Gebäude mit einer klaren politischen Botschaft. Diese Botschaft wurde sowohl bildlich als auch mit Worten in Stein gemeißelt. Die beim Einsturz zerstörte Justitia wurde ohne Augenbinde dargestellt. Ihr Blick richtete sich auf den gegenüberliegenden ehemaligen Sitz der faschistischen Partei und konkret auf den hoch zu Ross dargestellten Duce Benito Mussolini im Zentrum eines Reliefs, das unter anderem die faschistische Eroberung Äthiopiens verherrlicht.

Die Blickachse vermittelt eine unmissverständliche Botschaft: Justitia ist hier nicht blind und neutral. Ihr Blick richtet sich auf den Duce und die bildliche Verherrlichung des faschistischen Regimes.

„Mit Zähnen und Klauen“: Eine Kampfmetapher imperialer Herrschaft – und Justitia schaut zu.

Die vom Einsturz verschonte Inschrift auf der Fassade „PRO ITALICO IMPERIO VIRTUTE IUSTITIA HIERARCHIA UNGUIBUS ET ROSTRIS“ nimmt ausdrücklich Bezug auf das 1936 ausgerufene faschistische Imperium. Die Redewendung „UNGUIBUS ET ROSTRIS“ bedeutet wörtlich „mit Klauen und Schnäbeln“ und sinngemäß „mit Zähnen und Klauen“. Sie steht für Verbissenheit und den Einsatz aller verfügbaren Mittel.

Im Zusammenhang mit dem ausdrücklich genannten „italienischen Imperium“ erhält diese martialische Redewendung eine klare politische Botschaft. Wie einst Rom über andere Völker herrschte, erhob auch das faschistische Italien einen imperialen Herrschaftsanspruch. Der Faschismus inszenierte die italienisch-römische Kultur als überlegen und rechtfertigte damit Kolonialherrschaft, Unterwerfung und in Süd-Tirol die gewaltsame Italianisierung.

Die Gewaltförmigkeit dieser Herrschaftsideologie wird im Mussolini-Relief, auf das sich der Blick Justitias richtet, bildlich zugespitzt. In der Darstellung der Eroberung Äthiopiens durchbohren zwei faschistische Milizionäre zwei brüllende Löwen mit Speeren. An anderer Stelle steht einem römischen Legionär in Kampfeshaltung ein faschistischer Krieger als dessen „Erbe“ gegenüber.

Deutlicher könnte die imperialistische und menschenverachtende Symbolik kaum sein. Justitia, Fassadeninschrift und Mussolini-Relief bilden eine gemeinsame ideologische Inszenierung.

Faschistische Symbolik wird verteidigt.

Sven Knoll, der Erstunterzeichner des Antrags, fragt: „Und was macht die Süd-Tiroler Landesregierung? Sie relativiert, verharmlost und verteidigt diese faschistische, chauvinistische und menschenverachtende Symbolik!“ Und weiter: „Dies genau mit jener Verbissenheit, die auf der Fassade des Faschistenbaus selbst in Stein gemeißelt ist, nämlich mit Zähnen und Klauen!“

Bezeichnend ist, dass die Landesregierung nicht einmal bereit war, einen möglichen Neubau zumindest von der faschistischen Symbolik zu befreien. Die vom Einsturz verschonte ideologische Fassadenbotschaft hätte in einen musealen oder dokumentarischen Kontext überführt oder in einer eigenen Ausstellung historisch-kritisch aufgearbeitet werden können. Selbst dieser Vorschlag wurde abgelehnt.

Damit wird die Linie der von der Südtiroler Volkspartei geführten Landesregierung erneut klar und unmissverständlich: Selbst wenn der Faschistenbau in Trümmern liegt, soll er wiederauferstehen. Und wenn es sein muss, ganz im Sinne der eigenen Fassadenbotschaft, mit Zähnen und Klauen. All das wird dann auch noch unter dem Deckmantel kultureller Vielfalt, schützenswerter Architektur und des friedlichen Zusammenlebens verteidigt.

„Verrat an Süd-Tirol geht in die nächste Runde“.

Sven Knoll findet klare Worte: „Friedliches Zusammenleben bedeutet nicht, die Machtsymbole einer Diktatur zu konservieren und erneut in einem öffentlichen Justizgebäude auferstehen zu lassen. Der Einsturz hätte die historische Chance geboten, einen Schlussstrich zu ziehen und an dieser Stelle ein modernes, sicheres und demokratisches Justizgebäude ohne faschistische Machtsymbolik zu errichten. Die SVP und ihre Partner haben diese Chance bewusst ausgeschlagen. Der Verrat an Süd-Tirol durch die SVP und ihre ‚amici‘ geht somit in die nächste Runde!“

Süd-Tiroler Freiheit
Landtagsklub

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